Der Virentöter,
Kriminalphantasie für ganz große Kinder.
Zweite Fortsetzung

 

 

Kapitel 8
Wir landen nochmal. Aufgrund aktueller Entwicklungen sind Korrekturen am Ablauf notwendig geworden. Ich muß Euch leider mitteilen, daß Lucie erst später kommen kann. Während Ihr im Flieger wart, hat sich die Lage dramatisch zugespitzt. Der Vater von Hermine ist festgenommen worden und wird verhört. Lucie telefoniert mit allen möglichen Leuten in Schottland und bittet Euch, in der Vip-Lounch auf sie zu warten.

Das ist einerseits eine gute Gelegenheit, an Eurem Bericht zu arbeiten, den werdet Ihr nämlich brauchen. Andererseits müßt Ihr aufpassen, daß die Gewebeproben keinen Schaden nehmen. Wer weiß, wie lange Lucie noch beschäftigt ist. Möglicherweise müßt Ihr wieder nach England fliegen? Ich schlage vor, daß Ihr zunächst einen Kurier beauftragt. Er soll Trockeneis besorgen und dann in die Lounch kommen.

Früher konnte man im Frachtbahnhof Trockeneis holen. Ich war oft dort. In der Studentenzeit habe ich bei März&Co gearbeitet, und dort wurden natürlich große Mengen verbraucht. Fast jeden Tag war ich dort, um große Wannen mit dem dampfenden Zeug in den Transporter zu laden. Nun gibt es zwar keinen Frachtbahnhof mehr in Frankfurt, aber Trockeneis muß es ja geben! Wenn der Kutscher nicht weiß, wo er welches bekommt, muß er den alten Sauer anrufen. Sauer ist Pförtner bei März&Co, und was Lucie für Euch tut, das macht dort er. Ich weiß leider auch nicht, wo sie hingezogen sind.

Nee, Kinder, Taxi würde ich nicht empfehlen! Auch wenn sie behaupten, Kurierfahrten zu übernehmen, laßt die Finger davon. Die steigen nichtmal aus. Sie strecken den Kopf aus dem Fenster, gehen auf die Hupe und warten, daß das Eis kommt. Mehr dürft Ihr nicht erwarten. Ruft den Königskurier an. Der Disponent meldet sich mit Lass, großes L und ein kleines Ass. Der Kutscher soll zwei Kilo gehacktes Trockeneis besorgen - Geld muß er vorlegen - und sich damit in die Vip-Lounch durchschlagen. Das ist verdammt nicht einfach, auch wenn man ein großes Signalhorn hat. Lass wird in der Zwischenzeit bei der Lufthansa anrufen und eine Kontaktperson verständigen. Erklärt ihm, warum es dringend ist, und zwar umfassend und präzise, aber auch sachlich und knapp. Er hat wahrscheinlich noch andere Gespräche zur gleichen Zeit. Ihr müßt ihn vollständig ins Bild setzen, damit er sich der Sache annehmen kann. Vermeidet jeden Schnörkel, oder macht Euch sonst auf eine Frankfurter Schnoddrigkeit gefaßt, die man kaum für möglich hält. Sagt ihm, daß der Kurier exklusiv und ohne Umweg fahren muß, das ist ein spezieller Tarif, und daß er die Sachen nicht irgendwo in der Anatomie, sondern nur Johann persönlich übergeben darf. Wegen der Abrechnung verweist auf Lucie, die ihn sicher kennt, und schreibt, bis der Kutscher eintrifft, einen kleinen Bericht für Johann. Habt Ihr das? Ich verlasse mich auf Euch, weil ich in der Abfertigungshalle etwas Wichtiges erledigen muß.

Es gibt Dinge, die man nicht verschieben darf. Ich hätte Euch sonst natürlich geholfen. Wird vermutlich nicht lange dauern, obwohl man fast von einem Auslandseinsatz sprechen kann und von einer europäischen Angelegenheit. Häufig wird ja vollkommen übersehen, daß der europäische Gedanke nicht von Sonntagsreden lebt, sondern in den Herzen der Menschen verankert sein muß. Selbst wenn er tot sein sollte, der Gedanke, was viele behaupten, lebt er fort in diesen Herzen als Traum oder Sehnsucht - wie meinen? Air France?

Ihr glaubt, daß ich zu Danièle gehe? Daß ich knutschen will in der Halle? Ist das nicht merkwürdig? Wie habt Ihr das herausgefunden? Seit wann seid Ihr denn bitte in der Lage, verborgene Absichten zu durchschauen? Ich habe die Sache mit keinem Wort erwähnt, hey, nicht ein Sterbenswörtchen. Ganz im Gegenteil! Aber vermutlich hätte ich vom Pferd erzählen können, nicht wahr? Ich hätte mir die Kehle aus dem Hals schreien können, ohne Euch im Geringsten zu irritieren. Ich könnte Bullshit vortragen oder den dreiundzwanzigsten Psalm, es hätte immer dieselbe Bedeutung, nicht wahr? Und kein vernünftiger Mensch würde sich darin täuschen. Ein intensives Wunder! Denn andererseits erlebe ich jeden Tag, daß Zeitungen vom Pferd erzählen und niemand etwas merkt! Kein Mensch kommt auf die Bedeutung, und sei er noch so klug. In der Zeitungswerbung wird ja behauptet, daß sie klug sind, die Leser, bevor sie nach den Regeln der Kunst für dumm verkauft werden. Und daß sie mehr wissen, nachdem man sie geneppt hat, was ich aber bezweifle.

Den Kuß also? Davon soll ich erzählen statt vom Pferd? An mir soll es nicht scheitern - ich habe Euch gewarnt. Es muß gestern Abend gewesen sein, nach meiner Zeit. Obwohl seit der ersten Landung nur wenige Minuten vergangen sind, Kinder: Es war gestern. Ich war müde, bin vielleicht eingeschlafen, habe geträumt, dann wieder ein paar Zeilen geschrieben. Ich hatte Euch gewarnt! Danièle wohnt ja längst nicht mehr in Buchschlag. Falls eine Spur nach Frankreich führt, werdet Ihr sie kennenlernen. Sie wurde streng katholisch erzogen, Kinder, wie in Frankreich verbreitet, während mein Christentum wiederholte Erdenspaziergänge ganz normal findet. Wir haben davon ja bereits ein wenig geplaudert. Eine Kirchenhochzeit konnte ich mir aber nicht vorstellen, ansonsten - wer weiß? Nun bin ich der Pate der Kinder und in ihren Träumen vorhanden, wie erwähnt. In den Ferien treffen wir uns, um Kathedralen zu besuchen. Wenn ich erzähle, daß sie vermutlich eine Keltenprinzessin war, lacht sie mich jedesmal aus. Ihre Augen funkeln aber freundlich, und manchmal nimmt sie mir die Brille ab. Dann schließe ich meine Augen, um möglichst viel zu lernen. Sie hat eine Internetseite eingerichtet und will es dahin bringen, daß die Kirche sich vom Virengetöse verabschiedet. Mit ihrem Charme erreicht sie viel mehr als ich mit meinem Biß. Und sie schont ihre Zunge, nebenbei. Kirche rettet Wissenschaft, so weit mußte es kommen! Habt Ihr das?

Ihr kennt sicher den Rattenfänger von Hameln? Nun schaut mich an: Ich, der Virenfänger von Hameln! Ich habe jahrelang versucht, die Bürger dieser Stadt von einer wahnsinnigen Heimsuchung zu befreien. Vergeblich! Der Wahnsinn besteht in der Annahme, daß ihre Kinder von Viren bedroht sind. Sie nahmen aber keine Hilfe an. Es fehlten einfach die kognitiven Voraussetzungen. Habt Ihr das? Es gibt eine Art von Dumpfheit, die sich mit der Menschenwürde schlecht verträgt. Ich fürchte, daß sie die Kinder mit ihrem Wahnsinn anstecken. Und ich möchte eben die Jugend dieser Stadt in die Lage versetzen, das Virengetöse zu durchschauen. Möchte erreichen, daß sie sehen, wie der Mob vom Pferd erzählt, Kinder! Ich werde einen Keil mitten durch die Familien treiben. Erwartet nicht, daß die führenden Generationen auch nur ein Wort glauben. Geschweige denn prüfen. Sie werden nur Bahnhof verstehen. Obwohl eigentlich Christenmenschen, kann man niemals auf sie bauen. In Frankreich vielleicht, aber nicht in Hameln. Lesende Großväter ausgenommen. Also, wie isses: Seid Ihr dabei?

Wie meinen? Doch nicht knutschen? Sehr aufmerksam! Das war ja gestern nach meiner Zeit, und ich war müde. Jetzt bin ich hellwach und schreibe anders. Wir sind nochmal gelandet und pssst: Ich habe Sprühdosen dabei! Darum muß ich in die Abfertigungshalle. Oben gibt es eine Besucherplattform, von der man guten Ausblick auf das Vorfeld hat. Ich bin oft dort, aber zur Zeit wird der ganze Bereich umgestaltet. Man kommt nur bis zum Bauzaun mit den Werbeflächen. Nun ist es ja so, daß die Sprayer sich als Künstler bezeichnen, nicht wahr? Meiner bescheidenen Meinung nach fehlen dazu zwar alle kognitiven Voraussetzungen. Und doch will ich einen Versuch wagen. Anstatt die Christenheit mit widerlichen Grafitti zu nerven, sollten sie bei der Gestaltung von Werbeplakaten helfen. Nur mal ein Beispiel. Ihr kennt diese Werbung, die vom Pferd erzählt und Tabak verkaufen will? Kuhjunge, dieses eine Wort müßten sie ansprühen. Nur ein Künstler ist dazu in der Lage. Und jetzt ich! Auch die Dröhnemöllers, nicht wahr, und jeder Bierrocker, der ein Mikro halten kann, nennt sich Künstler. Und am Bauzaun klebt Werbung für ein Benefizkonzert zugunsten AIDS-kranker Kinder in Afrika. Tolle Sache, oder? Die Bierrocker aller Länder geben sich die Ehre. Leider fehlen die kognitiven Voraussetzungen. Sie sterben an den Medikamenten, die ihr spendet, das sprühe ich diesen Kollegen in die Visagen. Ihr gebt ihnen den Rest.

Ich behaupte allerdings nicht, daß es sich um Kunst handelt. Es ist ja leider viel schlimmer. Der böse Hiff ist meines Erachtens die Erfindung einer Sekte, der Malthusianer. Malthus war ein Spinner, der 1798 eine Schrift herausgab und behauptete, die Bevökerung dürfe nicht wachsen, weil die Nahrungsproduktion nicht mithalten könne. Nach Malthus wären wir ausgestorben aufgrund von Nahrungsmangel. Die modernen Anhänger dieser Sekte sehen es umgekehrt als ihre Aufgabe an, die Welbevölkerung zu dezimieren, damit die weiße Rasse, oder doch ein Teil davon, die Fäden in der Hand behalten kann. Sie sprechen offen darüber, daß man die Erdbevölkerung dezimieren muß! Und obwohl sie eine Reihe ganz unterschiedlicher Strategien verfolgen, um dieses Ziel zu erreichen, ist doch sicher, daß Kinder, sobald sie AIDS-Arzneien kriegen, keine Überlebenschance haben.

Der bekannte Meeresforscher Jaques Yves Cousteau hat ausgerechnet, daß täglich dreihundertfünfzigtausend Menschen umgebracht werden müßten. Das geht hervor aus seinem Interview mit dem Unesco Kurier, sowie dem Bericht der Gazette Geopolitischer Malthusianismus. Solche Dinge schreiben sie ganz ungeniert. Sektenmitglieder sitzen in den Ministerien, den Parteien, den Medien, an den Schalthebeln der Macht. Einige meiner Künstlerkollegen dürften beteiligt sein, die meisten trotten hinterher aus Mangel an kognitiven Fähigkeiten. Insofern wäre es schon ein Kunststück, ihnen die Narrenkappe aufzusetzen, nicht wahr? Wenigstens den Versuch will ich machen, Kollegen. Erspart uns den verlogenen Ritus von Benefiz-Konzerten! Wenn Ihr Kindern helfen wollt, müßt Ihr gegen den ansteckenden Wahnsinn der führenden Generationen vorgehen. Fangt von vorne an und bedenkt, ob eure Drogen vielleicht zum gleichen Programm gehören. Die Kirche, nebenbei, ist gegen Verhütung, läßt aber zu, daß Kinder nichts zu essen bekommen und mit Medikamenten umgebracht werden. Die glücklichen Stuttgarter, alles Protestanten, haben einen Begriff dafür und sprechen von Herrgottsbscheißerle. Tut nicht so bescheiden, Kollegen! Ohne euch hätte der Wahnsinn keinen Bestand. Sobald die Dröhnung kognitive Fähigkeiten berücksichtigt, fliegt der Schwindel doch auf. Ich habe euch hiermit gewarnt. Und Sprayer, die ein bißchen helle sind, rufe ich auf, mein Werk zu unterstützen. Wir könnten die Dröhn-Szene in die Verantwortung nehmen, Leute. Auf allen Benefizien muß es heißen: Sie sterben an der Behandlung.

Nun seht mich an: Meine religiösen Vorstellungen gelten als sektiererisch, wer wollte es bestreiten. Ich möchte niemanden davon überzeugen und bitte Euch im Gegenteil: Laßt die Finger davon. Ihr könnt es vermutlich nicht beurteilen. Macht Euch lieber klar, was die Kirchen lehren, und prüft es sorgfältig. Viele Menschen glauben, daß sie in einen Himmel kommen, wie auch immer. Dazu gehört die Annahme, daß bei der Zeugung nicht nur ein leibliches Wesen entsteht, sondern zugleich eine Seele. Es entsteht jedesmal eine neue Seele. Und daß diese Seele nach dem Tod weiterlebt, wo auch immer, das habt Ihr doch behandelt? Die Anzahl der beseelten Wesen ließe sich demnach beliebig vermehren, versteht Ihr? Zwanzig, fünfzig, hundert Milliarden Menschenwesen, das wäre nur eine Frage der Zeit.

Andere huldigen dem Zufallsgott, wir sprachen davon, und Beseelung kommt für sie gar nicht in Frage. Durch Zufall wollen sie alles erklären. Der Mensch ist nur ein höheres Tier, und was dabei in Betracht kommt, ist eben diese Fähigkeit zur unbegrenzten Fortpflanzung seiner Art. Sie lassen nur gelten, was sie zählen und wägen können und betrachten geistige Zusammenhänge als die Resultate von Gehirnwindungen. Nach dem Tod ist alles vorbei. Beide Richtungen pflegen ihren Dogmatismus, sind also gegen Lernvorgänge und kognitive Prozesse weitestgehend imprägniert. Die Malthusianer neigen zur zweiten Variante.

Ich stimme mit keiner dieser Richtungen überein, das habe ich ja gesagt. Ich gebe aber zu, daß meine Sicht der Dinge vollkommen absurd erscheinen muß in Euren Augen. Ich bin nicht der Meinung, daß die Seele bei der Zeugung entsteht und daß die Zahl der Menschenwesen beliebig vergrößert werden kann. Was sich ändert, ist allein das Verhältnis derer, die hier unten spazieren gehen, zu denen, die oben den Bogen beschreiben, falls Ihr Euch erinnert. Die Summe bliebe gleich. Aber diese ketzerische, sektiererische Meinung will ich niemandem aufdrängen! Sie soll nur dazu dienen, meine Verschrobenheit zu charakterisieren, Euch allenfalls auffordern, hellwach zu bleiben und niemals - unter keinen Umständen, hört Ihr! - die kognitiven Fähigkeiten an der Garderobe irgendeiner Einrichtung abzugeben. Wow! Habt Ihr das? Dürfte soweit konsensfähig sein.

Und denkt bitte nicht, daß es mir Spaß macht, über diese Dinge zu sprechen. Es lag nicht in meiner Absicht. Ich habe mich provozieren lassen von plakativen Bierrockern, die als Künstler dazu beitragen wollen, daß Kinder mit Chemikalien abgefüllt werden. Dafür machen sie Lärm, und ohne das hätte ich mit der Sekte nicht angefangen. Diese Burschen, deren Verhängnis darin besteht, daß sie früher oder später an Erbrochenem ersticken, müssen mit der Nase ganz tief in den Kot der Wirklichkeit eintauchen, um auf ihre Art kreativ zu sein. Denen habe ich sicher geholfen. Aber nun habt Ihr zugehört, und das wollte ich eigentlich vermeiden. Meine Tochter, die mir eh über die Schultern schaut, hat ernste Bedenken vorgetragen, was diesen Punkt betrifft. Ihre Kreativität wirkt vollkommen anders, und Eure vermutlich auch.

Ich habe ihr dann vorgelesen, was einer der vermutlich letzten ehrlichen UNO-Gesandten, was Jean Ziegler zur Ernährungsfrage sagt. Ein Kind, das heute hungers stirbt, sagt er, wird ermordet. Fünfzig Millionen Jahr für Jahr.

Das bedeutet aber, so wieder sie, daß man diese Wesen erhalten könnte. Davon will er offensichtlich reden, Väterchen. Du mußt die jungen Leute nicht erschrecken, sondern Lösungen aufzeigen.

Der Schock wird umso größer sein, mein Kind!

Nur mal ein Beispiel. Wenn Deutschland oder Frankreich heute souveräne Staaten wären, also nicht unter der Knute von Amtsverbrechern, würden wir schon morgen mit Leitungswasser Auto fahren meines Erachtens. Wasser besteht aus explosiven Stoffen, nicht wahr? Man muß sie nur voneinander trennen, das weiß jeder. Aber so funktioniert es nicht. Man kann es dahin bringen, daß es implodiert. Und mit zehn Litern kommt man zweitausend Kilometer weit. Für ein paar Euro könnte man vorhandene Motoren umbauen, und das einzige Problem wäre der Rost, da sie nicht entsprechend beschichtet sind. Der TÜV würde leider überhaupt nicht mehr durchblicken, und natürlich wäre es eine Übergangslösung. Es gibt elegantere Möglichkeiten der Energiegewinnung. Das Wasserauto ist aber serienreif, man darf es halt nicht bauen. Die Berliner Mondbutzer, Träger von Staatsgeheimnissen, die müßt Ihr fragen! Schon übermorgen könnte jeder Haushalt vollkommen autark sein, was Energie betrifft, und bald würden wir fliegen, ohne jemals zu tanken.

Das Tanken ist aber das Wichtigste, abgesehen von den Steuereinnahmen natürlich. Gewaltige Umwälzungen wären die Folge von frei verfügbarer Energie. Diese gesellschaftlichen Umwältungen zu beherrschen, fehlen zunächst alle kognitiven Voraussetzungen. Wir Älteren sind damit völlig überfordert. Seht Ihr dieses Problem? Ich sehe es natürlich auch. Ich finde es aber merkwürdig, daß Parteibonzen sich anmaßen, über solche Fragen zu befinden. Und daß es als demokratisch angesehen wird, uns davon auszuschließen. Habt Ihr je davon gehört? Wer das Thema nur erwähnt, gilt als Spinner, und ich wage zu bezweifeln, ob Ihr ein Wort glaubt. Die besten Verfahren stehen im offenen Widerspruch zu physikalischen Gesetzen, die man in der Schhule lernen muß. Grausame Welt! Man kann sie anfassen, sie sind wirklich vorhanden - leider sprechen ein paar Gesetze dagegen. Vielleicht bestehen diese Gesetze aus lauter Denkzwängen? Man muß in Rechnung stellen, daß im Falle des männlichen Nervenkostüms verschiedene Leitungen einfach nicht geschaltet sind. Damit will ich keinesfalls behaupten, daß ich mitgeholfen habe, einen weiblichen Physiker ins Kanzleramt zu bringen! Es sind aber sonst doch überwiegend Männer, die den Schwachstrom anzapfen.

Was haltet denn Ihr von solchen Lösungen? Tatsächlich genügt ein aufrechter Mann, um das Ernährungsproblem zu lösen, sofern man ihn läßt. Und ein souveräner Staat wäre ausreichend, um das Energieproblem zu entschärfen. Es müssen aber die kognitiven Fähigkeiten vieler Staaten und Individuen zusammenwirken, um nur etwas davon umzusetzen. Sie bringen sich vorerst lieber gegenseitig um, schon klar. Meiner bescheidenen Meinung nach kann es dann erst besser werden, wenn Frauen ihre Rolle begreifen. Sie müssen aufhören, unsere Fehler nachzuahmen. Harte Worte, schon wahr, ich habe Euch aber gewarnt. In der öffentlichen Meinung und in den Zeitungen ist Emanzipation ein anderes Wort für Nachahmung.

Ich weiß natürlich, daß meine private Meinung einigen Frauen, die mitlesen, völlig absurd erscheint. Und ich weiß, was Männer davon halten. Ist doch klar! Sie stellen sich vor, was für Waffen mit dieser Technik entwickelt werden könnten. Bomben und Raketen würden sie, wenn irgend möglich, bauen. Jeder Haushalt müßte im Vorgarten Raketenbatterien hochstapeln. Wenn sie aber recht gefährlich wären, könnte man sie gut besteuern...

Ein albernes Geschlecht, wie mein Chef zu sagen pflegte. Dennoch gibt es Wesen, die uns küssen! Und vielleicht sogar lieben im Frühjahr, wie der Dichter sagt. Maßlos ist das Wachstum der Bäume und Gräser / Im Frühjahr, sagt Brecht. Ohne Unterlaß fruchtbar / Ist der Wald, sind die Wiesen, die Felder. / Und es gebiert die Erde das Neue / Ohne Vorsicht. Brecht habt Ihr doch behandelt, oder? Man kann es schön finden, ohne ein Wort zu glauben!

Klingt, als würde der Erdenschoß Seelen hervorbringen. Was wäre sonst neu an der Sache? Hat er aber nicht gemeint. Der große Brecht hielt dem Zufallsgott die Stange und predigte von Naturwesen mit Frühlingsgefühlen. Genau zehn Mondumgänge später - dies schreibe ich für Frauen, falls welche mitlesen - beginnt in der Regel ein kleines Wesen seinen Erdenspaziergang. Ist es nicht merkwürdig, daß solche Naturburschen überall erzählen, die Schwangerschaft dauere neun Monate lang? Nur Männer bringen es fertig, solchen Unsinn zu behaupten. Was hat die Schwangerschaft mit dem Gregorianischen Kalender zu tun, könnt Ihr mir das sagen? Sie braucht zehn Mondumgänge, soviel Naturalismus sollte immerhin sein.

Ich glaube, daß die meisten Frauen etwas anderes spüren, als die Zufallspriester annehmen. Frauen spüren, daß jedes Kind eine Geschichte mitbringt, in der sie selbst eine Rolle einnehmen, die alles andere als zufällig ist. Manchmal spüren's die Väter auch, leider sprechen verschiedene Denkgewohnheiten dagegen. Und wie üblich werden sie für Gesetze genommen. Bei Frauen ist das vollkommen anders. In den unergründlichen Tiefen dieser Wesen lebt das Wissen von dem einzigartigen Schicksalsband, das jedes Kind in die Runde wirft. Die Seelen hatten schon bei früheren Erdenspaziergängen miteinander zu tun. Und oftmals spüren Frauen etwas von diesem Geheimnis. Es ist ihr innigstes, tief vergrabenes, streng gehütetes, vor Neugier verborgenes, kaum je offen erklärtes, maßlos großartiges, ohne Unterlaß schöferisch tätiges Frühlingsgefühl. Wow! Und ich gehe als Sprachrohr aus ihren Träumen hervor. Seht mich an: Sohn einer Hebamme; Virenfänger von Hameln; Sprachrohr traumseliger Mütter; Patron der Kinder.

Und seht das Menschenkind in der Wiege, seht, wie es mit dem Kläbberle arbeitet! Es erschließt sich bedeutende Zusammenhänge. Ohne Maß ist die Lernfähigkeit des kleinen Wesens. Oh seht diesen unvergleichlichen Frühling! Bevor der Kopf seine eigentliche Größe erreicht, wird er im Dogmatismus erstarren. Meistens schläft das Wesen und hat keinerlei Bewußtsein von der Umgebung, die es anfassen kann. Das Bewußtsein ist wie herausgezogen. Später geht es wieder hinein und arbeitet weiter an dem kleinen Leib. Doch bald zieht es sich, überwältigt von Lernvorgängen, wieder zurück. Wohin? Schon ist der Körper mit allerlei vitalen Prozessen allein. Es fehlt etwas. Das Wichtigste fehlt! Zufallsanbeter vermuten, daß eine bestimmte Hirnfrequenz fehlt, solange es schläft, irgendwelche Schwingungen, elektrischer Strom im Prinzip. Kann man messen. Bitte nicht anfassen! Es könnte sich als Irrtum erweisen, meiner bescheidenen Meinung nach. Wir wissen so wenig, Kinder. Und die kleinen Wesen könnten uns unendlich viel sagen, wenn die Beobachtungsgabe ausgeprägter wäre.

Das war auch schon beim Kuß der Fall, wenn Ihr Euch erinnert. Oh, ich liebe diese Schleifen! Und ich möchte darauf hinweisen, daß meine Anspielungen leicht zu durchschauen sind, wenn die Voraussetzungen stimmen. Der Zusammenhang ergibt sich allerdings nicht aus dem Flugplan der Airlines. Tatsache ist, daß ich selbst nicht in der Lage bin, solche Dinge zu planen. Es geschieht zunächst ohne Absicht, wie in einem Spiel. Man muß nur hellwach sein, anders als gestern Abend. Und natürlich weiß ich so gut wie Ihr, daß in dem Wirklichkeitsbereich, den wir anfassen können, nicht einfach nochmal gelandet werden kann. Wir begnügen uns aber nicht mit Allgemeinplätzen. Durch die zweite Landung habt Ihr selbst, und vielleicht zum ersten Mal, eine verborgene Absicht durchschaut, und das ist wertvoll über die Maßen. Es ist eine Tatsache, die mehr zählt als das Wachstum der Bäume im Frühjahr vermutlich. Ihr wußtet, daß ich zu Danièle wollte, obwohl ich vom Pferd erzählt habe!

Und nun kann man es dahin bringen, zu verstehen, was die Natur erzählt! Obwohl sie voller Geheimnisse steckt. Und was die Zeitungen erzählen sowieso! Wen wollen sie mit ihren abscheulichen Pferdezungen knutschen, das ist jedesmal die Frage. Oder nehmt die Bierrocker. Auf was für Drogen fahren sie gerade ab? Das alles kann man wissen! Und welche Sau wird aktuell durch's Dorf getrieben? Ich bin sicher, daß gerade Ihr mit der Erforschung solcher Sachen viel weiter kommen könnt, als ich. Denn mir bleibt nicht mehr sehr viel Zeit. Wenn Ihr doch diese merkwürdigen Schleifen schon mal beachten wolltet! Der Sinn einer Sache ergibt sich aus der rückläufigen Bewegung der Gedanken. Habt Ihr das? Nee? Meine Aussage macht also keinen Sinn für Euch? Wenn Euer Fall geklärt ist, können wir meinetwegen Philosophie und Erkenntnistheorie durchnehmen, um diese Fragen zu behandeln. Oder sollen wir gleich noch einmal landen?

"Nochmal landen - was ist das denn?" fragt der Großvater, der soeben aus süßem Schlummer erwacht. Er hat keine Ahnung, wie er das verstehen darf. Die rückläufige Bewegung seiner Gedanken findet keinen Anker, da er die entscheidenden Passagen verschlafen hat. Aus solchen Defiziten entstehen Fragen und Rätsel. Habt Ihr das? Na also! War das nun schwierig? Was meint Ihr wohl: Hat der normale Zeitungsleser eine Ahnung, in welchem Zusammenhang die Meldungen stehen, die ihm an den Kopf geworfen werden, kaum daß er die Augen auftut? Ich fürchte, das Entscheidende fehlt, und der Anker, den er dennoch setzen mag, hält nicht viel, weder bei Ostlagen, noch bei den vorherrschenden Westwinden, noch sonst irgendwann. Wow! Es ist alles in den Wind geschrieben.

Doch rasch zurück zu Eurem Mandat. Habt Ihr den Bericht? Das Virengetöse geht im Wesentlichen von einer Sekte aus, aber nicht von meiner, wenn Ihr folgen könnt. Ich bin selbst eine Sekte und keineswegs harmlos für die Bürger von Hameln. Sie werden alles verlieren. Ich verführe ihre Kinder, treibe einen Keil durch die Familien. Ich untergrabe die Autorität der Behörden. Vielleicht erfülle ich sogar einen Straftatbestand. Ich sprühe üble Sprüche und Flüche über Bierbäuche von Künstlern, und obwohl ich die Kirchensakramente verweigere, will ich für einen Christenmenschen gelten. Verkehrte Welt! Und dann Hermine, eine Zauberin! Will Euch glauben machen, daß die Regierung der Vereinigten Staaten in die Machenschaften dieser Sekte, nicht meiner, verwickelt ist. Mit der Vorstellung habt Ihr aber keine Probleme.

Oder doch? Bravo! Das ist recht brav gedacht. Kennt Ihr den guten Menschen von Sezuan? Schlagt nach bei Brecht! Außer mit dem Rattenfänger von Hameln bin ich noch mit der Shen-Te aus diesem Stück verwandt. Meine Erfahrung ist die, daß in modernen Staaten für einzelne Verbrechen zwei Ämter vorhanden sind. Auf dem einen wird ein Verbrechen bekämpft, auf dem anderen ausgeübt im großen Stil. Steht so nicht in den Zeitungen, schon klar. Anders kann man die Wirklichkeit unserer Tage gar nicht verstehen meines Erachtens. Von den Professionellen, die im Blätterwald für Nepp verantwortlich sind, dürft Ihr nicht erwarten, daß sie etwas merken. Den Teufel spürt das Völkchen nie, lautet das geflügelte Wort, das sie dennoch zitieren. Goethe habt Ihr doch behandelt? Ich kann wirklich nicht alle Fächer mit Euch durchnehmen! Bleiben wir bei der Verbrechensbekämpfung. Was das betrifft, sind sie eine Quantité négligeable, die Spezialisten der Zeitungen, ganz egal, ob man sie nach Hunderttausenden oder nach Millionen beziffert.

Nur mal ein Beispiel. Das Gesundheitswesen ist als Markt größer als jeder Staatshaushalt. Habt Ihr das gewußt? Und der Umsatz wird mit Chemikalien gemacht. Egal, was man hat, immer helfen Chemikalien. Genial einfach! Wer hingeht, wird mit Lebensgegenteil abgefüllt, steht ja auch drauf. Das eine Amt baut Krankenhäuser, das andere sorgt dafür, daß sie voll werden. Die Mittel sind vorhanden, man muß nur motivieren. Lebensgegenteil gilt als Mittel der Wahl. Man hat sehr gute Erfahrungen damit gesammelt. Man muß die Chemikalien zu den Menschen bringen. Am besten in sie hinein. Durch die kleinen Körper läßt man Sondermüll entsorgen. Im Kläbberle Weichmacher. Am Tag nach der Geburt werden die Augen veräzt, dann die erste Impfung. Bei Unverträglichkeit Lebensgegenteil, in schweren Fällen Breitbandlebensgegenteil. Dann wieder impfen: Drei auf einen Streich. Ganz egal, ob man die Präparate nach Hunderttausenden oder in die Millionen zählt, der Heilerfolg ist eine Quantité négligeable. Und die Kassen müssen den Nepp bezahlen, dafür sorgt das Ämtersyndikat.

Ja Entschuldigung, ich kann auch Märchen vorlesen. Wollt Ihr das? Impfzwang heißt die Lösung! Dann wären alle gesund. Schon im Mutterleib würden wir die kleinen Wesen gegen Weichmacher abhärten. Sie kämen heraus und wären immun! Dem Fruchtwasser könnte man Impfangebote beimischen, und in die Nabelschnur käme ein Infusionsschlauch für Lebensgegenteil. Sie müßten förmlich gesund werden. Auch ohne daß sie krank waren. Man bräuchte überhaupt keine Krankheit und würde doch immer behandeln. Insofern wäre auch kein Heilerfolg nötig. Den würde man sich komplett sparen. Tolle Sache, oder? Man muß nur richtig motivieren. Und könnte Umsatz generieren. Man würde ein paar Leute schmieren. Ansonsten ihre Konten einfrieren. Die würden sich nicht lange zieren! Es könnte sonst zufällig jemand krepieren. Und im Befund stünde: Insuffizienz der Nieren beziehungsweise Resistenz der Viren.

Es gibt eine Armada von Organisationen, Kinder, die das Impfen zur Pflicht machen wollen. Bis dahin muß der Ausdruck Vorsorgeuntersuchung herhalten. Ich wußte es selbst nicht! Wenn ein Kind geboren wird, hält das Krankenhaus einen Paß bereit, der für bestimmte Lebenswochen Untersuchungungen vorsieht. Der Kinderarzt stempelt das dann jeweils ab. Fand ich prima! Beim ersten Mal wurden wir aufgeklärt über das Impfen ansich und im Besonderen, denn wir hatten im Krankenhaus dankend abgelehnt. So auch hier. Ich wollte von der Ärztin jedoch wissen, ob unser Kind Auffälligkeiten zeigte ihrer Meinung nach. War aber alles prima. Beim nächsten Termin wurden wir so eindringlich auf die Vorteile des Impfens hingewiesen, daß ich mir ein paar Bemerkungen nicht verkneifen konnte. Ihr habt ja meine knappen Nebensätze auch schon ein wenig kennengelernt. Wie geht es übrigens dem Großvater? Sie jedenfalls fragte erschrocken, warum wir überhaupt kämen, wenn nicht zum Impfen! Ich versuchte, es zu erklären und vereinbarte den nächsten Termin. Seht Ihr, wie naiv ich damals war? Sehr aufmerksam. Und dann dieser Zwischenfall. Unsere Tochter wurde krank. Eine Kinderkrankheit! Wir bekamen einen Sondertermin und wollten wissen, was es zu beachten gebe. Ja was denn los sei, fragte sie. "Es ist Keuchhusten," sagte ich. Sie war erstaunt, zeigte sich aber bereit, Lebensgegenteil zu verschreiben. Ich lehnte dankend ab und verordnete meinerseits eine äußerst knappe Bemerkung. Darauf wurde sie stinkig und verwies mir solche Worte. Es ist aber die wörtliche Übersetzung, stimmt's? Das war vielleicht das Schlimmste! Sie mußte sich eingestehen, daß es die wörtliche Übersetzung ist.

Es geht nur um Impfstoffe und Lebensgegenteil. Deshalb sollen Vorsorgeuntersuchungen zur Pflicht werden. Zugleich kann den Eltern das Sorgerecht dann leichter entzogen werden. Und wenn Behörden sich um Kinder sorgen, werden sie korrekt mit Chemikalien abgefüllt. Das ist mal amtlich! Was vorerst fehlt, ist ein entsprechender Straftatbestand. Wenn es nach den Organisationen geht, werden widerspenstige Eltern nicht nur ausgegrenzt, sondern kriminalisiert. Nur Rabeneltern nennen die die Dinge beim Namen!

Auch die Bürger der Stadt Hameln befüchten, daß ihre Kinder den vorausberechneten Sättigungsgrad an Chemikalien nicht erreichen, wenn wörtliche Übersetzungen Schule machen. Ein dauerhafter Grundpegel an Lösungsmitteln und Sondermüll ist nach gängiger Meinung die Voraussetzung dafür, daß sie nicht von schrecklich ansteckenden Krankheiten heimgesucht werden. Die jungen Ärzte dieser Stadt haben niemals etwas anderes gehört! Von morgens bis abends hat man solche Binsen für sie gedroschen. Gegenfrage: Darf man dieses dulden? Gefährdet es die Christenheit? Muß man im anderen Amt Vorsorge treffen gegen solch fahrlässiges Geschwätz? Fehlt ein entsprechender Straftatbestand? Darf man die Bürger dieser Stadt ihrem Wahnsinn einfach überlassen? Wie isses, Kollegen, wollen wir für die gute Sache trommeln? Wir könnten Benefizien veranstalten und lärmen zum Segen dieser Kinder. Lest mit, dann schaffen wir die kognitiven Voraussetzungen. Es ist ein total abgefahrener Stoff!

Wir sind dann nie wieder hingegangen, Kinder! Die Ärztin tat mir leid. Früher oder später wäre sie von Nebenbemerkungen aus der Bahn geworfen worden. Sie wußte zu wenig, schon klar. Aber Hand auf's Herz: Hättet Ihr gewußt, daß Impfstoffe zu neunundneunzig Prozent aus Hilfs- und Duftstoffen bestehen? Darunter erstklassiges Gift wie Quecksilber und Lösungsmittel? Das Gesetz verpflichtet Ärzte, über die damit verbundenen Gefahren aufzuklären. Sie wissen aber gar nichts davon. Jedenfalls klären sie nicht auf. Meine Nebenbemerkung beantwortete die Ärztin mit dem geflügelten 'Wort von bedauerlichen Nebenwirkungen. "Sie meinen vermutlich die neunundneunzig Prozent Wirklichkeit, von denen Sie keine Ahnung haben?" bemerkte ich übellaunig. Später tat es mir leid. Wäre ich vorher weniger naiv gewesen, hätte ich mich nachher nicht so aufgeregt. Ich bin eigentlich nicht zuständig für die Grundausbildung von Ärzten, hey. Wenn Ihr unbedingt mitlesen wollt, meinetwegen. Wir sorgen auch hier zuerst für die kognitiven Voraussetzungen, Herrschaften, das kann nicht anders sein. Bitte bei den Musikern Platz nehmen.

Sie wissen so wenig, Kinder. Die Medizin ist ein Fach, das ganz ohne wissenschaftliche Grundeinstellung auskommt. Tatsächlich gibt es nur einen Wirklichkeitsbereich, von dem sie weniger wissen. Ich meine jenes andere Prozent, das beabsichtigt wäre. Neununsneunzig Prozent sind zufällige Nebenwirkungen, der Rest ist beabsichtigt, sagen sie. Leider haben sie auch keine Ahnung, wie man Statistiken fälscht. Um impfen zu dürfen, belegen sie mit Zahlen, daß Krankheit Sowieso um sich greift. Sie weinen Krokodilstränen. Immer mehr Fälle treten auf, nachdem früher alles bestens war! Wenn man genauer hinschaut, zeigt sich etwas ganz Merkwürdiges. Es zeigt sich nämlich, daß da, wo Krankheit Soweiso um sich greift, intensiv geimmpft wurde. Seit hundert Jahren abends, so das geflügelte Wort von Brecht, bekommt man nach jeder Impfaktion eine Häufung der Fälle und eine Ausbreitung von Krankheiten. Wo nicht geimpft wird, nehmen sie ab.

Der Rückgang aller Infektionskrankheiten geht auf Fortschritte bei der Hygiene und in der Trinkwasserversorgung zurück. Kinderlähmung zum Beispiel! Sie plagen die Christenheit erst dann wieder, wenn es zu Impfaktionen kommt. Wie religiöse Fanatiker auf ihre Buchstaben, so starren Ärzte auf die falschen Zahlen. Sie registrieren nur die Zunahme und wollen überall impfen. Mit der wissenschaftlichen Analyse der Zahlen sind sie überfordert. Sie sind blind dafür, weil die kognitiven Voraussetzungen fehlen.

Für Chemikalienhändler ist das Geschäftsmodell dennoch interessant. Außer blinden Medizinern und Zeitungen, die ein Abo darauf haben, brauchen sie noch Ämter und Ministerien zum Erfolg. Ohne diesen Segen von Oben wären alle Anstrengungen umsonst. Innerhalb von Tagen wäre der Spuk vorbei. Hermine hat es auf den Punkt gebracht. Ohne den verlogenen Ritus müßte man sehr viel Schmiergeld ausgeben. Durch den Ritus sind die maßgeblichen Leute hörig und weisungsgebunden. Sie müssen die Hosen runterlassen und Gehorsamkeit schwören, haben aber keine Ahnung, wem. Auf Regelverstöße steht die Todesstrafe, die Regeln werden aber nicht bekannt gegeben. Wer auf die Art seine Seele verkauft hat, dürfte zu allem fähig sein.

Zunächst macht er vielleicht nur Karriere. Irgendwann darf er sich bewähren. Der Großvater wird sich an den Namen Uwe Barschel erinnern. Er hatte es zum Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein gebracht, was ohne rituelle Rückendeckung schier unmöglich ist. Die Zeitungen sprechen hier von Demokratie. In Barschels Fall ging es nicht um das Geschäft mit der Krankheit - trotzdem wähle ich dieses Beispiel - sondern um Waffenschiebereien. Der Ministerpräsident konnte sich vermutlich nicht erinnern, dazu verpflichtet worden zu sein. Er kannte die ja Regeln nicht, die trotzdem gelten! Man fand ihn schließlich tot in einem Genfer Hotel, auf der Gästeliste lauter Geheimagenten. Die Hinterbliebenen suchen bis heute nach einem Gericht, das bereit wäre, die Dinge beim Namen zu nennen. Fragt den Großvater! Es war ein Ritualmord.

Ich hoffe, daß Ihr nie auf diesem Gebiet ermitteln müßt! Ein Kollege der Agenten hat die Hintergründe der Tat in einem Buch bekannt gemacht. Seitdem befindet er sich auf der Flucht. Die Zeitungen dürfen nichts bringen bis heute. Müssen Nebelkerzen steigen lassen. Sind weisungsgebunden. Kennen die Regeln vermutlich besser als Barschel. Erzählen vom Pferd. Demokratie und so. Lügen möglichst nicht selbst. Der hat dieses, jener das gesagt, schreiben sie. Jeder weiß, das es Lügen sind. Sie haben's aber doch gesagt, sagen die Zeitungen, insofern ist es wahr. Die Gräfin Dönhoff, damals selbst auf der Kommandobrücke eines Flaggschiffs der rituell frömmelnden Käseblätter, wow, hat mich auf diesen Umstand hingewiesen.

Den Brief kann ich Euch zeigen. Normalerweise haben Frauen keine Ahnung von verborgenen Männergesellschaften. Auch Männer wissen übrigens so gut wie nichts. Barschels Angehörige haben die kognitiven Voraussetzungen zu spät erworben. Falls doch einige Frauen mitlesen: Ihr solltet wahrhaftig früher erforschen, was Eure Männer nebenbei treiben. Wenn sie ihre Seelen verkauft haben, dürfte es zu spät sein. Dann könnt Ihr sie getrost zum Teufel jagen entsprechend einem geflügelten Wort. Harte Worte, schon wahr. Ein untrügliches Zeichen für diese Art von Bund ist die Tatsache, daß man nicht mehr davon loskommt. Es ist nicht möglich, sich zu verabschieden. Man kommt auch nicht hinein, ohne zuvor ausgespäht worden zu sein. Beim Seelenheil Eurer Liebsten: Laßt niemals zu, daß sie irgendwo beitreten, wo nicht jeder beliebige Bürger auf Antrag Mitglied werden und jederzeit wieder austreten kann. Unter keinen Umständen dürft Ihr das zulassen!

Ungewöhnlich steile Karrieren und glänzender Geschäftserfolg sind zwar keine Beweise, aber doch Verdachtsmomente. Dann forscht nach! Stehen sie unter Eid? Gehen sie zu Veranstaltungen mit Anwesenheitszwang? Gibt es Dinge, über die sie nicht sprechen dürfen? Wenn sie von weihevollen Aufgaben salbadern und zu Musterknaben in Sachen Wohltätigkeit mutieren, ist das die typische Masche für Mitglieder der unteren Ränge. Den Teufel merkt das Völkchen nie. Das Völkchen hat nämlich keine Ahnung, welche Schweinepriester im Verborgenen den Ritus leiten und welche Macht angerufen wird mit den herzerwärmenden Phrasen. Eure Liebsten werden von Anfang bis Ende betrogen und zu kompletten Idioten gemacht unter salbungsvollen Symbolhandlungen in lichterfüllten Weiheräumen. Die Garderobe, an die man zuvor ihre Seelen kunstvoll aufgeknüpft hat, ist der Altar der Macht, die dort angebetet wird.

Entschuldigt, Kinder, daß ich für einen Augenblick die Frauen direkt angesprochen habe. Ich mache mich selbst zum Narren damit, da sie vermutlich kein Wort glauben. Erinnert Euch an den Zaun von Tante Polly in Tom Sawyer's Abenteuern! Als Strafe für einen enizigen geschwänzten Schultag sollte er diesen verdammten Zaun streichen, obwohl er gar nicht vorhatte, samstags wie ein Sklave zu arbeiten. Die Bengel aus dem Dorf, denen alle kognitiven Voraussetzungen fehlten, bezahlten aber dafür, streichen zu dürfen, nachdem er klar gemacht hatte, daß es eine besondere Ehre war. Sie rissen sich um den Job, und er hätte sie wahrscheinlich alle ruiniert, wenn der Zaun nicht irgendwann dreifach perfekt gestrichen gewesen wäre. Und den Liebsten dieser bedauerlichen Frauen geht es ganz entsprechend. Ihr ganzes Leben lang streichen sie den Zaun von Tante Polly und haben die Ehre, als Dorftrottel vorgeführt zu werden. Trotzdem sind sie unsere einzige Hoffnung, ich meine die Frauen. Nur Wesen, die über urgewaltige Liebe verfügen, können Männergesellschaften, die des Teufels sind, aus der Bahn werfen. Leider fehlen zunächst alle kognitiven Voraussetzungen.

Zunächst müßten sie dafür sorgen, daß Mitgliedschaften, die nicht jederzeit unbeschadet aufgekündigt werden können, verboten werden. Danach müssen die Mitglieder von allerlei schillernden Berufsständen vor eine Wahl gestellt werden. Entweder sie treten aus, oder sie reichen ihren Abschied ein. Betroffen wären zunächst Schul- und Hochschuldirektoren; Abgeordnete und Senatoren; Staatsanwälte, Fernsehmacher, Richter: Parteibonzen, Rundfunkräte, Dichter; Gewerkschafts- und Kirchenfunktionäre; Ressortleiter und Chefredaktäre; Angehörige der Streitkräfte und Sicherheitsorgane; Verbandsprecher und Ständevertreter mitsamt ihrer Saufkumpane.

Geheimgesellschaften müßten ihre Verhältnisse offen legen; jedes Mitglied beim Namen nennen; unter Androhung der Todesstrafe für falsche Angaben die komplette, internationale Hierarchie darstellen; und jedes Treffen wörtlich protokollieren. Der große Kanzler Otto von Bismarck hatte bereits erste Schritte in diese Richtung unternommen. Gütiger Himmel! Wie sähe die Welt heute aus, wenn Kaiser Wilhelm der Zweite über die kognitiven Voraussetzungen verfügt hätte, diese Maßnahmen fortzuführen! Habt Ihr denn auch gelernt, daß der erste Weltkrieg durch das Attentat von Sarajewo ausgelöst wurde? Das könnte sich als Irrtum erweisen, nach all der Zeit. Wenn der Bush-Mann die Absicht hat, einen Krieg zu führen, trifft er heimlich die Vorbereitungen und sorgt im richtigen Moment für einen Anlaß. Soweit habt Ihr die Zeitungsberichte der letzten Jahre sicher durchschaut. Bismarck hätte sich zur Kur nach Bad Ems begeben und eine Depesche verschickt. Habt Ihr das behandelt? Die Emser Depesche war so gehalten, daß Frankreich den Krieg begann, den Bismarck führen wollte. Ich schätze allerdings, daß nicht einmal Bismarck den Irak oder Afghanistan oder Persien oder Frankreich oder Osama dazu gebracht hätte, gegen die Vereinigten Staaten Krieg zu führen. Der Bush-Mann trommelte eine Koalition der Idioten zusammen, die es fertig brachte, ihre eigenen Lügen für bare Münze zu nehmen. Koalition der Idioten entspricht nicht der offiziellen Sprachregelung, hört Ihr! Ein Kollege von mir sagte neulich im Radio: "Den Osama wird man eines Tages vermutlich in Camp David finden." Camp David ist der Ort, wo amerikanische Präsidenten ihre Staatsgäste empfangen, wenn Washington zu förmlich wäre. Ja sicher! Ich kann nichts dazu. Es kam auf Bayern2Radio.

Habt Ihr gewußt, daß Kaiser Wilhelm belgische Kinder zum Frühstück verspeiste? Nee? Und daß er allen andern die Hände abhacken ließ? Stand 1916 in den amerikanischen Zeitungen. Das hat man Euch hoffentlich gesagt! Der Grund ist einfach zu verstehen. Selbst in England hatte man genug vom Krieg. Jenes andere Land, das weit in die Gebiete seiner Kriegsgegner vorgedrungen war, bot allen Beteiligten den vollständigen Rückzug und Friedensvereinbarungen an. Aber dann wurde in den Zeitungen diese Kampagne losgetreten mit der Absicht, den Frieden zu verhindern und Amerika in den Krieg zu verwickeln. Was geht uns dieser Krieg an? fragten dort die Leute. Ihr müßt belgische Kinder vor dem deutschen Kaiser retten, sagten die Zeitungen. Die braven amerikanischen Leser hatten keine Ahnung, welche Absichten ihnen verborgen wurden.

Nach weiteren Jahren des Blutvergießens kam es, na? Zum Waffenstillstand! Und zu Vereinbarungen, die den Kriegsgegnern jenes Landes, das den Frieden längst angeboten hatte, als böse Schande, so ein geflügeltes Wort, noch lange anhaften wird. Als erstes verhängten sie die eine Hungerblockade über dieses Land, während der über zwei Millionen Menschen starben. Darunter siebenhunderttausend Kinder. Es war vorher nicht üblich gewesen, ein Land absichtlich von der Welthungerhilfe auszuschließen. Das war aber nur ein Nebenaspekt des ehrenvollen Friedens, den man diesem Land zugesagt hatte. Fragt den Großvater. Der Bush-Mann hieß damals Wilson, Wilson mit den Punkten im Volksmund, weil er Friedenspunkte formulierte, die sich als schändliche Lügen erwiesen. Wer weiß, wie der andere hieß, welcher in Japan Atombomben abwarf? Genau: Truman. Schande, Schande, Schande. Sie mögen ihre eigene Geschichte formulieren, wie sie wollen. Seht nur zu, Ihr Helden, daß Ihr die Absichten immer gut durchschaut.

Entschuldigt, daß ich vom Thema abgewichen bin. Der erste Weltkrieg, auch wenn es nicht aus den Schulbüchern hervorgeht, wurde in geheimen Männergesellschaften vorbereitet, als Bismarck noch im Amt war. Die Spur führt nach England. Ich schätze, daß dort, in den lichterfüllten Weiheräumen, noch heute Landkarten hängen, die sie in den achtziger Jahren gezeichnet haben. Schätze, Ihr wißt, von welchem Jahrhundert die Rede ist. Diese Karten von 1880 zeigen, wie Europa nach dem Krieg von 1914-18 aussehen sollte. Klingt total verrückt, schon wahr. Zufall klingt viel harmloser, wie? Helft Euch selbst! Es ging um Machtverhältnisse. Weltkrieg bedeutet nach internationaler Übereinkunft im wesentlichen Krieg aller gegen Deutschland. Dieser Sprachgebauch hat sich eingebürgert.

Und wer vom falschen Stamm ist, wird ausgebürgert. Er kriegt weder eine Verfassung, noch das Völkerrecht. Menschenrechte und Völkerrechtsbestimmungen habt Ihr doch behandelt? Na also! In englischen Blättern wird über diese Dinge manchmal debattiert. Kinder, Kinder! Nur Wesen, denen die Urgewalt der Liebe zu Gebote steht, könnten mit klugem Verstand einen Ausweg finden aus unserer Situation. Ansonsten müssen wir uns fügen. Man wird uns wie Hunde mit derben Tritten zerstreuen, wenn wir die Dinge beim Namen nennen. Wir gehören zu einem Volk, dem die Selbstbestimmung verwehrt wird. Seit mehr als sechzig Jahren stehen wir unter Kriegsrecht! Große Zeiträume, strategisch geplant. Einige Idioten forderten die totale Vernichtung des genannten Stammes, war aber nicht konsensfähig.

Bismarck hat seine Rechnung ohne das andere Geschlecht gemacht. Und jeder außer mir tut es bis heute. Ich wage dennoch eine Prognose. Wenn etliche solcher Wesen eines Tages begreifen, was diese Burschen im Verborgenen anrichten, machen sie Schluß damit. Das kann nicht anders sein! Wir Männer haben uns, geschichtlich betrachtet, immer ohne alle Umstände dressieren lassen. Man zeige uns eine Hierarchie, schon stürmen wir zu den Fahnen. Man kleide uns in Leibchen mit verschiedenen Farben, schon schlagen wir aufeinander ein. Strebernaturen sind besonders gefährdet, hört Ihr? Ich meine Figuren, die alles schlucken, ohne jemals zu fragen. Man sollte sie auf den Mond schießen, mit Verlaub, ich sage es aus eigener Erfahrung! Man kann uns sehr leicht davon überzeugen, daß wir auserwählt sind für weihevolle Aufgaben. Bla bla bla! Seht doch ein, meine jungen, über alles geliebten Helden, daß außer von Frauen alles von Euch abhängt! Werdet Ihr Eure Seelen verkaufen, wenn die Werber mit verführerischen Schmeichelworten an Euch herantreten? Ich habe Euch gewarnt.

Es ist übrigens nicht ungefährlich, die Regeln der Virenbestimmung zu kennen, hey! Weltumspannende Geschäfte geraten in Gefahr, wenn es sich rumspricht. Auf dem Spiel stehen größere Summen als selbst im Rüstungsgeschäft. Stellt Euch vor, man könnte die Weltbevölkerung durchimpfen mit einer Chemikalie, die zwar nichts taugt, aufgrund von Lizenzen aber recht teuer veranschlagt wird. Das Neunundneunzigfache an Hilfs- und Duftstoffen kommt wie üblich dazu, im Prinzip Sondermüll, den man sonst entsorgen oder verklappen müßte, hier aber als Aktivposten verbucht. Natürlich bessert sich nichts. Es kommt vielmehr zu einer Häufung bestimmter Krankheiten, vielleicht zu Spontanmutationen. Aber das ist das Schöne am Virengeschäft: Jeder Fall, den man wie auch immer zustande bringt, hilft die Notwendigkeit eines allgemeinen Impfzwangs zu begründen. Daraus entstehen epidemieartig weitere Fälle. Wer sich dann nicht impfen ließe, wäre eine Gefahr für die Christenheit! Ordnungsbehörden würden Zwangsmaßnahmen verhängen, damit der Umsatz stimmt.

Ich denke, daß die Vorteile dieses Geschäftsmodells auf der Hand liegen. Und macht Euch keine Gedanken wegen der Beteiligung von allerlei Regierungsmitgliedern. Diese Figuren kommen und gehen. Sie dürfen froh sein, als nützliche Idioten, so lautet ein geflügeltes Wort, eine Nebenrolle zu bekleiden. In Männergesellschaften rechnet man mit sehr großen Zeiträumen, und Eintagsfliegen schlüpfen beim Abtritt in großer Zahl. Vor diesem Hintergrund ist es nicht ausgeschlossen, daß Hermine recht behält. Man produziert auf Halde und bewirkt durch Marketing, daß eine Seuche in Umlauf kommt. Diesen Verdacht dürft Ihr im Bericht ansprechen. Bleibt ansonsten bei den Fakten.

Man kann sie nicht anfassen, und doch müssen wir sie zu fassen kriegen. Ich meine die Absichten. Manche Leute mögen nicht, wenn man ihre Absichten durchschaut. Andere verfolgen Absichten, die längst durchschaut sind. Ich denke an Lehrer, an Bierrocker, an Impfärzte - eine träge Masse. Normal ist das nicht! Man kann sich seine Absichten im Prinzip eingestehen, aber nicht jeder Mensch ist dazu in der Lage. Viele wüßten gar nicht, wovon die Rede ist. Wenn Ihr dem Teddy ein Bettchen bauen wollt, und über Nacht ist die Stichsäge weg - was passiert denn da? Was geschieht, wenn Absichten durchschaut, was, wenn sie durchkreuzt werden? Wenn wir die Gefühle anderer Menschen verletzen, gehen wir entschieden zu weit. Das liegt niemals in meiner Absicht, unter keinen Umständen! Ich gehe im Einzelfall dennoch weiter. Ich mache Absichten zunichte, soweit ich kann. Was ist dazu nötig? Die Absichten haben eine ganz merkwürdige Eigenschaft, Kinder. Tiefe, weltumspannende Geheimnisse sind damit verbunden. Eine Absicht, die man sich bewußt gemacht hat, wird tendenziell besser. Jedweder zivilisatorische Fortschritt, das Gute schlechthin, wird sichtbar dadurch, daß Absichten bewußt wurden. Eine ganz merkwürdige Geschichte. Man muß es selbst erlebt haben. Und man kann einen tiefen Blick ins äußere Weltgeschehen tun durch diese Aufrichtigkeit sich selbst gegenüber. Und sei sie noch so flüchtig. Nur ein Vorschlag! Ich will keinem etwas predigen. Mir geht es darum, die Absichten gewisser Chemikalienhändler bekannt zu machen. Wenn wir sie sehen, sind sie eigentlich schon Vergangenheit. Sie werden besser. Dafür plagen wir uns ab!

Vollkommen neue Dinge entstehen. Als Bismarck den Forderungen der Arbeiterschaft eine gewisse Berechtigung einräumte, entstand die moderne Sozialgesetzgebung. Unsere heutigen Sozialdemokraten setzen alle Hebel in Bewegung, sie zu demontieren, freilich nicht allein. Manchmal fragt man sich, warum ganze Berufsstände mit Blindheit geschlagen sind, und die Antwort ist immer in den Absichten zu suchen. Keine Ausnahme! Wir können nicht mit dem Licht der Vernunft auf Absichten blicken, die wir verfolgen. Es ist der blinde Fleck des Bewußtseins. Kein Geld mehr da, sagen die Demokraten. Wo ging's denn hin? Es kann doch nicht verschwinden! Die Demokraten haben es in einen Abgrund geworfen, und wollen's nicht zugeben. Daß es vollkommen berechtigte Forderungen gibt, den Zinsabgrund zuzuschütten - freilich nicht mit unserem Geld - geht an solchen Blindgängern vorbei. Das ist total spannend! Es gibt exakt zwei Positionen im Staatshaushalt, die auf ewig ausgenommen sind vom sogenannten Sparzwang: Diäten und Zinseinkünfte. Undenkbar, daß sich daran etwas ändert. Alles fließt, aber diese Positionen stehen fest. Überall Sparzwang, dort exponentielles Wachstum. Habt Ihr das? Stellt Euch vor, ein Baum wächst immer weiter, je höher, desto schneller. Tolle Sache? Nein: Ein Ort der Zerstörung! Doch sie sehen ihn nicht. Tatsächlich ist diese Blindheit genau dasselbe. Sie errichtet himmelhohe Türme aus Trugschlüssen und Lügen bis hin zum geflügelten Wort: Das Geld ist weg. Und allein durch ihr Beharrungsvermögen wird die Blindheit zum Auge des Bösen. Wirklich total spannend! Was nicht loslassen kann, wird böse im Lauf der Zeit. Das ist keine Predigt, sondern ein Vorschlag zur Definition. Wenn man Absichten ins Bewußtsein heraufholt, bekommt man bessere Möglichkeiten zur freien Wahl. Wenn man unfähig ist zu dieser Erweiterung des Horizonts, oder wenn die kognitiven Voraussetzungen fehlen, gerät man unweigerlich ins Auge des Bösen, in abgrundtiefe Kälte. Das ist meine Erfahrung, gütiger Himmel. Nach all der Zeit! Und ein einziger Baum mit exponentiellem Wachstum wird früher oder später die Erde in der Mitte auseinanderspalten.

Ging jetzt ziemlich schnell, schon wahr. Vielleicht kommen wir später darauf zurück. Unter uns gesagt, es gibt verschiedene Entwicklungsgeschwindigkeiten. Keine Ahnung, warum das so ist. Grundsätzlich dürfte jeder in der Lage sein, Absichten ins Bewußtsein heraufzuholen. Sie tun es aber nicht, und fallen zurück Andere tun es nämlich und kommen voran. Wo Lucie wohl bleibt? Hat sich Lass gemeldet? Was macht der Bericht? Vielleicht kann ich noch kurz von einer Begegnung in der Halle erzählen?

Als ich auf dem Weg zurück in die Lounch war, wurde ich plötzlich bei meinem Vornamen gerufen. Ich drehte mich um und fand die Laatzen, Kinder, eine Reisende in Sachen Innenarchitektur und Möbeldesign. Als Student habe ich bei Neuwirth Einrichtungen gearbeitet, die meiste Zeit in ihrer Abteilung. Wenn im Kino ein Streifen läuft, der an der Ostküste spielt, sitzt der Anwalt meistens vor einem Sideboard, das sie entworfen hat. Oder Woody Allens Psychiater: Er sitzt davor, und sie steckt dahinter.

Die Sachen werden im Badischen produziert, und wenn sie Besprechungen im Werk hatte, wohnte sie oberhalb Bühl in jenem Hotel, das unvergleichlich leckere Seelen zum Frühsrück serviert, genau wie der Krautwickel. Einmal war ich dabei, weil ein Transport von Mustermöbeln zu organisieren war, und wir aßen zusammen von den Seelen. Habt Ihr das? Es gibt einen Wirklichkeitsbereich, wo Architektur, aber auch das Gestalten von Alltagsgegenständen überzugehen scheint in das Gebiet der Kunst, sei es als Kunsthandwerk oder Industriedesign. Solche Randerscheinungen sind total spannend, überall, wir kommen darauf zurück. Die Laatzen war der Meinung, daß es sich genau andersrum verhält. Demnach wäre nicht das Handwerk in die Kunst hinein gestolpert, sondern die Kunst herausgefallen aus zweckgebundenen Tätigkeiten in einen Ort, der den spielerischen Umgang mit Absichten und dadurch Freiheit ermöglicht. Sie war in allem sehr genau. Die Kleider lagen wie mit der Schlagschnur ausgerichtet im Schrank. Ihre Skizzen und Entwürfe behandelten jedes Detail mit liebevoller Besessenheit. Habt Ihr eigentlich Schiller behandelt? Damals hatte sie die Ästhetische Erziehung im Reisegepäck. Na gut, ich kann nicht beschwören, daß sie den Ausdruck Absichten gebrauchte, nach all der Zeit. Jedenfalls hat es sich meinem Gedächtnis eingeprägt als Randerscheinung zu meinem eigenen System. Die rückläufige Bewegung der Gedanken, Ihr versteht. Ohne die Laatzen wäre ich heute noch unter Bierrockern und würde Lieder von verpatzten Liebschaften ins Mikro singen. Mein E-Bass steht dennoch bereit, Kollegen! Was ich sagen wollte - sie war eine Erscheinung, Kinder!

Diese Möbel sind sackteuer. An der Ostküste, in den Villen am Taunus, den Vorstandsetagen der Metropolen ging sie aus und ein. Für Alfred Herrhausen, der sie außerordentlich schätzte, hat sie komplette Filialen gestaltet. In Kassel war ich dabei, und natürlich in Berlin, wo sie Unter den Linden auch für Ferdinand Piech etwas gemacht hat. Immer solche Projekte. Ich selbst fühle mich nie ganz frei, wenn ich in solchen Kreisen zu tun habe, sie blieb davon völlig unberührt. Das dürfte der Grund sein, weshalb sie immer eingeladen wird. Ihre naive Ungeniertheit und unberechnende Offenheit kommt gut an. Sie kann mit Menschen umgehen fast wie Kinder tun, solange sie Dinge der Außenwelt noch nicht zu trennen wissen von dem, was sie selbst sind. Es mag ein Mißverständnis sein. Aber ein wenig von diesem originären Hausrecht, das die Kinder ausüben, hat die Laatzen hinübergerettet mit ganz unnachahmlichen Folgen für das Verhalten. Ist doch klar, daß man geliebt wird, wenn an das Schönste der Kindheit angeknüpft werden kann, und sei es eine Verwechslung. All diese Dinge fielen mir ein, während wir in der lärmenden Halle knutschten.

Als Herrhausen ermordet wurde, ging ein Teil dieser Naivität verloren. Sie hatte noch am Vortag mit ihm gesprochen. Ich weiß auch, daß sie an einer Plastik arbeitet, die ihn als deutschen Helden dastellt und vor der Alten Oper aufgestellt werden soll. Wie könnte die Welt heute aussehen, wenn seine Vision von der Entwicklung des europäischen Ostens Wirklichkeit geworden wäre! Trotz der Naivität hielt sie nicht eben viel von Märchen. Mit zahllosen anderen, die sich damit befaßten, ist sie der festen Überzeugung, daß der Mord auf Geheimdienste zurückgeht, und daß eine Spur in die amerikanische Botschaft führt. Der Prahlhans, der dort Chef war, hat Äußerungen getan, die diese Ansicht stützen. Aber stellt Euch einmal vor, was das bedeutet! Als ausgewiesene Kriminalisten müßt Ihr vor den Konsequenzen einer solchen Annahme erschauern. Wieviele Wissende im Kriminalamt und in dutzenden anderen Behörden müßten bis heute dichthalten? Die gesellschaftlichen Abgründe, die sich da auftun, machen einen schwindeln. Der Fall hat ein Gschmäckle.

Wenn es KEIN Zufall war, daß man ihn verbluten ließ - er war nur am Oberschenkel verletzt - wer könnte ein absichtliches Unterlassen jeglicher Hilfe organisiert und später vertuscht haben? Ich führe diesen Gesichtspunkt an, weil er in Euer Fach fällt und Behörden betrifft, die, wenn jemals, nur von Euch gerechtfertigt werden könnten, meine Helden. Die Amerikaner haben kein Problem damit. Macht Euch da nichts vor. Selbst der Supreme Court hat kein Problem damit. Wenn es sich um Ausländer im Ausland handelt und wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel stehen, so dieses Oberste Gericht, ist alles erlaubt. Und daß Herrhausen dabei war, die amerikanische Bankenszene aufzumischen, läßt sich kaum bestreiten. Was ich dennoch schwer glauben kann, ist die Verstrickung ganzer Scharen deutscher Amtsträger, die notwendig wäre, um dieses Verbrechen bis heute zu decken. Aber die Fakten sind erdrückend. Sie füllen ein Buch von 450 Seiten, das Ihr in der Deutschstunde noch behandeln werdet. Habe irgendwo gehört, daß es zur Pflichtlektüre heranwachsender Staatsbürger gehört. Ich schätze, selbst Ihr könnt nicht ermitteln, solange Deutschland eine Kolonie jenes mächtigen Landes darstellt. Deutschland ist die letzte Kolonie. Das Recht auf Selbstbestimmung bleibt verwehrt, yippieh!

Gegen eine Plastik können sie natürlich gar nichts machen. Und der Spruch von diesem Prahlhans gehört dazu. Ehre, wem Ehre gebürt, lautet das geflügelte Wort. Der war, nach eigenen Worten, für die Wundversorgung des Patienten gar nicht zuständig, sondern für die letzte Ölung kurz vor dem Tod. Dafür sei er eingeflogen worden. Demnach hätte ein Auftragskiller die amerikanische Botschaft in Bonn geleitet! Seht selbst, ob das plausibel ist, so oder so müssen wir uns davon distanzieren. Man könnte eine Emser Depeche daraus machen, einen Kriegsgrund. Offiziell waren versprengte Überbleibsel der Roten Armee Fraktion am Werk, ganz gefährliche Burschen also, Terroristen, die bis heute nicht gefangen wurden. Vielleicht sitzen sie beim Osama in der Höhle.

Ich mußte lachen. Die Assoziation Mundhöhle war unvermeidich, nachdem wir in der Abflughalle knutschten. Die Laatzen hat mich immer zärtlich hochgenommen mit dem Vorschlag, meine Zunge maßstabsgerecht in Gips zu modellieren. Ich fragte nach der Plastik.

"Wir mußten einen Verein gründen, der das Ding über die Bühne bringt. Du glaubst gar nicht, wieviele Verwaltungsvorschriften in Frankfurt existieren für einen Fall, den es ja noch nie gab. Der gesamte Behördenapparat, mit Ausnahme vielleicht des Standesamts und nachgeordneter Einrichtungen, ist damit befaßt. Wir gewinnen aber, Neuwirth hat den Vorsitz übernommen. Gibt es Erkenntnisse im Virengeschäft?"

Sie weiß natürlich, womit meine Kanzlei normalerweise befaßt ist. Gänzlich unbefangen trägt sie wichtige Informationen auf Vorstandsetagen und Parties. Mit ihrer betörenden Naivität erreicht sie viel mehr als ich mit berechnenden Ausfällen. "Wir gewinnen," sagte ich. "Meine Jungs haben einen Durchbruch geschafft. Ich kann es selbst kaum fassen. Sie kennen den Chef der Anatomie in Mainz, einen Mann, der völlig souverän handelt. Er vertraut ihnen mehr vielleicht noch, als selbst ich, und überließ uns Gewebeproben der Volksschauspielerin."

"Ihr glaubt wohl immernoch, daß ihr besser seid als ausgewiesene Referenzlabore," sagte sie mit freundlichem Spott. "Habt ihr inzwischen wenigstens verstanden, wie man aus bloßem Zellmüll Viren herstellt? Ich vermute übrigens, daß die Volksschauspielerin ihren Tod nur inszeniert hat. Es ist ein Teil der Show."

Über die Lautsprecher wurde ein Flug nach Heathrow aufgerufen, jedoch - wir knutschten schon wieder, die Augen fest geschlossen. Gegen die Laatzen bist du machtlos, das habt Ihr ja gemerkt. Sehr aufmerksam! Keine Chance. Man nimmt sich nicht mehr so wichtig, seinen Job nicht, seine Passionen, seine Absichten. Alles relativ vor ihrem Humor. Selbst nimmt sie aber kleinste Andeutungen wahr und gibt sie über große Distanzen hinweg präzise wieder. Es ist gewöhnungsbedürftig. Wer sie nicht kennt, ist ständig versucht, sich zu wiederholen. Dabei hat sie alles verstanden und in feinen Humor verpackt.

Wenn sie Räume gestaltet, behandeln ihre Skizzen jedes Detail, und falls ein Direktor, was gelegentlich vorkommt, das Wandbild beispielsweise anders hängen will, bringt sie ihn in einen Erklärungsnotstand. Aber nicht, um recht zu behalten, das könnten diese Herrschaften besser. Jeder könnte es. Hat aber mit Humor zu tun. Wer die Entwürfe der Laatzen verstehen will, braucht Humor. Die rückläufige Bewegung der Gedanken beim Gestalten. Wie bei einem Scherz, den man versteht oder nicht, gibt es in der Regel nur eine Möglichkeit, Raumkonzeptionen der Laatzen zu begreifen. Wer Details verändert, hat nichts begriffen. Möglicherweise fehlen die kognitiven Voraussetzungen. Ach, Kinder, ich mußte leider begreifen, daß sie die Augen öffnete.

In den Lautsprechern der letzte Aufruf von Flug Sowieso nach Heathrow. Sie hakte sich bei mir unter und zog mich zu irgendeinem Gang, den sie passieren mußte. Ich nutzte die kurze Zeit, ihr den Stand der Ermittlungen durchzugeben. "Also, die zuständige Mainzer Anatomie durfte den Fall nicht untersuchen, weil Karlsruhe das Verfahren sofort an sich zog. Die Leiche wurde in Mainz abgeholt, und kurz danach schrieben die Zeitungen über eine neue, menschheitsbedrohende Viruskrankheit. Sie wußten sofort, was die Viren tun würden. Und wie zu erwarten, gab es auch gleich dieses Referenzlabor, eine Sprachregelung, an die wir bereits gewöhnt sind. Sie besagt nichts anderes, als daß unabhängige Untersuchungen ausgeschlossen sind. Kein Mensch hatte vorher von diesem Labor gehört, geschweige denn von irgendwelchen Referenzen. Wozu auch! Die Isolation und Strukturbestimmung von Viren, falls es darauf ankäme, wirft ja keinerlei Problem mehr auf, an jeder Ecke kann man das haben."

Sie nahm mich scheinbar wörtlich und machte Anstalten, am Schalter der Lufthansa, den wir passierten, eine Virenbestimmung in Auftrag zu geben. Ich ging darauf ein und ließ mir ein frisches Tuch aus ihrem Handgepäck geben mit der Bitte, kräftig Nasenschleim zu produzieren. Die Laatzen hat vermutlich die zweitschönste Nase des Abendlandes, Kinder, das Talent der spontanen Schleimabsonderung war ihr aber nicht gegeben. Auch als ich mit meinem eigenen, stupsigen Exemplar wie als Geburtshilfe exemplarische Schnaubgeräusche vorführte, blieb ihr Tüchlein trocken. Als sie nun zu lachen anfing und die Luft also durch den Mund ausstieß, änderte sich bei mir ebenfalls die Windrichtung, indem ich zuerst an den Haaren hinter ihrem linken Ohr zu riechen und dann in dieses zu flüstern begann. Haare riechen ist bis heute eine besondere Art von Zärtlichkeit in dieser Beziehung, Kinder, und eine Geste zärtlichster Intimität. Stellt Euch vor, da wäre Haarspray drin - wie bei meiner armen Mama immer, bis sich zufällig im Gehirn ein Blutgerinsel auftat - oder eine andere Chemikalie!

"Die Leiche wurde in panischer Eile abgeholt," flüsterte ich, "und daß vorher schon Gewebeproben entnommen worden waren, fiel zunächst nicht auf. Der Chef der Mainzer Anatomie, der sich über all diese Merkwürdigkeiten nicht wenig wunderte, merkte aber, daß bald nachdem die Leichenwanne sein Haus verlassen hatte, das schottische Referenzlabor der Presse bereits Einzelheiten des Befundes mitteilte. Als meine Jungs bei ihm vorsprachen, hatte er sich entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen. Er gab uns die Proben, und wir veranlaßten noch in derselben Nacht eine unabhängige Untersiuchung. Das Ergebnis war - du hast es erfaßt: Negativ. Keine Viren vorhanden. Inzwischen hatte man offiziell bereits acht Leichen positiv getestet! Aber auch die braven Leute in der Karlsruher Gerichtsmedizin wunderten sich. Zunächst über die Tatsache, daß sie selbst weder untersuchen noch Proben sichern durften. Alles mußte nach Schottland. Es konnte ihnen natürlich nicht verborgen bleiben, daß die Leiche der Volksschauspielerin vorher schon geöffnet worden war. Damit mochten sie sich erklären, daß der schottische Ritus bereits Ergebnisse verlautbaren ließ, bevor ihre Karlsruher Gewebeproben dort angeliefert waren. Später fanden sie heraus, daß die Staatsanwaltschaft von der früheren Entnahme überhaupt nichts wußte. Man hielt es dort aber für eine gute Idee, diese Proben nachträglich abzurufen und unbesehen nach Schottland weiterzuleiten. Natürlich wurde der Befund in Schottland dadurch nur bestätigt. Aber welcher Befund? Zunächst waren ja keine Proben vorhanden gewesen, sondern nur der Pressetext, offenbar vorbereitet und durch eine Abstimmungspanne zu früh lanciert. Dieser Befund wurde zunächst bestätigt durch die in Karlsruhe entnommenen und nach Schottland geschafften Proben, mußte ja auch, und dann, laut Presse, noch einmal durch die in Mainz entnommenen und ebenfalls nach Schottland verladenen Proben derselben Leiche, obwohl inzwischen Stuttgart zuverlässig gezeigt hatte, daß keine Viren vorhanden sind. Und nun gelang es meinen Jungs, an Material und Informationen aus dem hermetisch abgeriegelten sogenannten Referenzlabor zu kommen. Vor einer Stunde sind sie gelandet mit beiden Proben, der aus Mainz sowohl wie der aus Karlsruhe, und zwar im originalverpackten, unberührten Ausgangszustand. Das ausgewiesene Referenzlabor hat die Sachen nicht mal ausgepackt. In diesem merkwürdigen Labor scheinen Tarnkappen nordamerikanischer Povenienz das große Wort zu führen. Sie geben Verlautbarungen an die Presse, halten sich mit Laboruntersuchungen aber nicht auf. Tatsächlich handelt es sich um eine Chemikalienfabrik, die im großen Stil auf Vorrat produziert. Irgendein Stoff, für den es bislang weder Zulassung noch Bedarf gibt, wird dort vorgehalten, und es steht zu befürchten, daß er uns zum gegebenen Zeitpunkt als Impfstoff gegen die Viren präsentiert wird -"

Sie zog die Morgenausgabe der Umschau aus dem Handgepäck. "Nimm und lies, ich habe im Flieger freie Auswahl. Aber küsse mich noch einmal, bevor du in der brutalen Zeitungswirklichkeit auf- oder untergehst." Und ich tat, wie mir geheißen, Kinder, bis sie endlich in diesen Gang verschwand. Statt jedoch in einen engbeschränkten Wirklichkeitsbereich abzutauchen, überließ ich mich maßlosen Gefühlen und erhebenden Stimmungen. Habt Ihr das?

Im April 2007
© Thomas Bokelmann
(wird fortgesetzt)