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Der
Virentöter,
Kriminalphantasie für große Kinder.
Zweite Fortsetzung
Kapitel
8
Wir landen
nochmal. Aufgrund aktueller Entwicklungen sind Korrekturen am Ablauf
notwendig geworden. Ich muß Euch leider mitteilen, daß
Lucie erst später kommen kann. Während Ihr im Flieger
wart, hat sich die Lage dramatisch zugespitzt. Der Vater von Hermine
ist festgenommen worden und wird verhört. Lucie telefoniert
mit allen möglichen Leuten in Schottland und bittet Euch, in
der Vip-Lounch auf sie zu warten.
Das ist einerseits
eine gute Gelegenheit, an Eurem Bericht zu arbeiten, den werdet
Ihr nämlich brauchen. Andererseits müßt Ihr aufpassen,
daß die Gewebeproben keinen Schaden nehmen. Wer weiß,
wie lange Lucie noch beschäftigt ist. Möglicherweise müßt
Ihr wieder nach England fliegen? Ich schlage vor, daß Ihr
zunächst einen Kurier beauftragt. Er soll Trockeneis besorgen
und dann in die Lounch kommen.
Früher
konnte man im Frachtbahnhof Trockeneis holen. Ich war oft dort.
In der Studentenzeit habe ich bei März&Co gearbeitet, und
dort wurden natürlich große Mengen verbraucht. Fast jeden
Tag war ich dort, um große Wannen mit dem dampfenden Zeug
in den Transporter zu laden. Nun gibt es zwar keinen Frachtbahnhof
mehr in Frankfurt, aber Trockeneis muß es ja geben! Wenn der
Kutscher nicht weiß, wo er welches bekommt, muß er den
alten Sauer anrufen. Sauer ist Pförtner bei März&Co,
und was Lucie für Euch tut, das macht dort er. Ich weiß
leider auch nicht, wo sie hingezogen sind.
Nee, Kinder,
Taxi würde ich nicht empfehlen! Auch wenn sie behaupten, Kurierfahrten
zu übernehmen, laßt die Finger davon. Die steigen nichtmal
aus. Sie strecken den Kopf aus dem Fenster, gehen auf die Hupe und
warten, daß das Eis kommt. Mehr dürft Ihr nicht erwarten.
Ruft den Königskurier an. Der Disponent meldet sich mit
Lass, großes L und ein kleines Ass. Der Kutscher soll
zwei Kilo gehacktes Trockeneis besorgen - Geld muß er vorlegen
- und sich damit in die Vip-Lounch durchschlagen. Das ist verdammt
nicht einfach, auch wenn man ein großes Signalhorn hat. Lass
wird in der Zwischenzeit bei der Lufthansa anrufen und eine Kontaktperson
verständigen. Erklärt ihm, warum es dringend ist, und
zwar umfassend und präzise, aber auch sachlich und knapp. Er
hat wahrscheinlich noch andere Gespräche zur gleichen Zeit.
Ihr müßt ihn vollständig ins Bild setzen, damit
er sich der Sache annehmen kann. Vermeidet jeden Schnörkel,
oder macht Euch sonst auf eine Frankfurter Schnoddrigkeit gefaßt,
die man kaum für möglich hält. Sagt ihm, daß
der Kurier exklusiv und ohne Umweg fahren muß, das ist ein
spezieller Tarif, und daß er die Sachen nicht irgendwo in
der Anatomie, sondern nur Johann persönlich übergeben
darf. Wegen der Abrechnung verweist auf Lucie, die ihn sicher kennt,
und schreibt, bis der Kutscher eintrifft, einen kleinen Bericht
für Johann. Habt Ihr das? Ich verlasse mich auf Euch, weil
ich in der Abfertigungshalle etwas Wichtiges erledigen muß.
Es gibt Dinge,
die man nicht verschieben darf. Ich hätte Euch sonst natürlich
geholfen. Wird vermutlich nicht lange dauern, obwohl man fast von
einem Auslandseinsatz sprechen kann und von einer europäischen
Angelegenheit. Häufig wird ja vollkommen übersehen, daß
der europäische Gedanke nicht von Sonntagsreden lebt, sondern
in den Herzen der Menschen verankert sein muß. Selbst wenn
er tot sein sollte, der Gedanke, was viele behaupten, lebt er fort
in diesen Herzen als Traum oder Sehnsucht - wie meinen? Air France?
Ihr glaubt,
daß ich zu Danièle gehe? Daß ich knutschen will
in der Halle? Ist das nicht merkwürdig? Wie habt Ihr das herausgefunden?
Seit wann seid Ihr denn bitte in der Lage, verborgene Absichten
zu durchschauen? Ich habe die Sache mit keinem Wort erwähnt,
hey, nicht ein Sterbenswörtchen. Ganz im Gegenteil! Aber vermutlich
hätte ich vom Pferd erzählen können, nicht wahr?
Ich hätte mir
die Kehle aus dem Hals schreien können, ohne Euch im Geringsten
zu irritieren. Ich könnte Bullshit vortragen oder den dreiundzwanzigsten
Psalm, es hätte immer dieselbe Bedeutung, nicht wahr? Und kein
vernünftiger Mensch würde sich darin täuschen. Ein
intensives Wunder! Denn
andererseits erlebe ich jeden Tag, daß Zeitungen vom Pferd
erzählen und niemand etwas merkt! Kein Mensch kommt auf die
Bedeutung, und sei er noch so klug. In der Zeitungswerbung wird
ja behauptet, daß sie klug sind, die Leser, bevor sie nach
den Regeln der Kunst für dumm verkauft werden. Und daß
sie mehr wissen, nachdem man sie geneppt hat, was ich aber bezweifle.
Den Kuß
also? Davon soll ich erzählen statt vom Pferd? An mir soll
es nicht scheitern - ich habe Euch gewarnt. Es
muß gestern Abend gewesen sein, nach meiner Zeit. Obwohl seit
der ersten Landung nur wenige Minuten vergangen sind, Kinder: Es
war gestern. Ich war müde, bin vielleicht eingeschlafen, habe
geträumt, dann wieder ein paar Zeilen geschrieben. Ich hatte
Euch gewarnt! Danièle wohnt ja längst nicht mehr in
Buchschlag. Falls eine Spur nach Frankreich führt, werdet Ihr
sie kennenlernen. Sie wurde streng katholisch erzogen, Kinder, wie
in Frankreich verbreitet, während mein Christentum wiederholte
Erdenspaziergänge ganz normal findet. Wir haben davon ja bereits
ein wenig geplaudert. Eine Kirchenhochzeit konnte ich mir aber nicht
vorstellen, ansonsten - wer weiß? Nun bin ich der Pate der
Kinder und in ihren Träumen vorhanden, wie erwähnt. In
den Ferien treffen wir uns, um Kathedralen zu besuchen. Wenn ich
erzähle, daß sie vermutlich eine Keltenprinzessin war,
lacht sie mich jedesmal aus. Ihre Augen funkeln aber freundlich,
und manchmal nimmt sie mir die Brille ab. Dann schließe ich
meine Augen, um möglichst viel zu lernen. Sie hat eine Internetseite
eingerichtet und will es dahin bringen, daß die Kirche sich
vom Virengetöse verabschiedet. Mit ihrem Charme erreicht sie
viel mehr als ich mit meinem Biß. Und sie schont ihre Zunge,
nebenbei. Kirche
rettet Wissenschaft, so weit mußte es kommen! Habt Ihr
das?
Ihr kennt sicher
den Rattenfänger von Hameln? Nun schaut mich an: Ich,
der Virenfänger von Hameln! Ich habe jahrelang versucht, die
Bürger dieser Stadt von einer wahnsinnigen Heimsuchung zu befreien.
Vergeblich! Der Wahnsinn besteht in der Annahme, daß ihre
Kinder von Viren bedroht sind. Sie nahmen aber keine Hilfe an. Es
fehlten einfach die kognitiven Voraussetzungen. Habt Ihr das? Es
gibt eine Art von Dumpfheit, die sich mit der Menschenwürde
schlecht verträgt. Ich fürchte, daß sie die Kinder
mit ihrem Wahnsinn anstecken. Und ich
möchte eben die Jugend dieser Stadt in die Lage versetzen,
das Virengetöse zu durchschauen. Möchte erreichen, daß
sie sehen, wie der Mob vom Pferd erzählt, Kinder! Ich
werde einen Keil mitten durch die Familien treiben. Erwartet nicht,
daß die führenden Generationen auch nur ein Wort
glauben. Geschweige denn prüfen. Sie werden nur Bahnhof verstehen.
Obwohl eigentlich Christenmenschen, kann man niemals auf sie bauen.
In Frankreich vielleicht, aber nicht in Hameln. Lesende Großväter
ausgenommen. Also, wie isses: Seid Ihr dabei?
Wie meinen?
Doch nicht knutschen? Sehr aufmerksam! Das war ja gestern nach meiner
Zeit, und ich war müde. Jetzt
bin ich hellwach und schreibe anders. Wir sind nochmal gelandet
und pssst: Ich habe Sprühdosen dabei! Darum muß ich in
die Abfertigungshalle. Oben gibt es eine Besucherplattform, von
der man guten Ausblick auf das Vorfeld hat. Ich bin oft dort, aber
zur Zeit wird der ganze Bereich umgestaltet. Man kommt nur bis zum
Bauzaun mit den Werbeflächen. Nun ist es ja so, daß die
Sprayer sich als Künstler bezeichnen, nicht wahr? Meiner bescheidenen
Meinung nach fehlen dazu zwar alle kognitiven Voraussetzungen. Und
doch will ich einen Versuch wagen. Anstatt die Christenheit mit
widerlichen Grafitti zu nerven, sollten sie bei der Gestaltung von
Werbeplakaten helfen. Nur mal ein Beispiel. Ihr kennt diese Werbung,
die vom Pferd erzählt und Tabak verkaufen will? Kuhjunge,
dieses eine Wort müßten sie ansprühen. Nur
ein Künstler ist dazu in der Lage. Und jetzt ich! Auch die
Dröhnemöllers, nicht wahr, und jeder Bierrocker, der ein
Mikro halten kann, nennt sich Künstler. Und am Bauzaun klebt
Werbung für ein Benefizkonzert zugunsten AIDS-kranker Kinder
in Afrika. Tolle Sache, oder? Die Bierrocker aller Länder geben
sich die Ehre. Leider fehlen die kognitiven Voraussetzungen. Sie
sterben an den Medikamenten, die ihr spendet, das sprühe
ich diesen Kollegen in die Visagen. Ihr gebt ihnen den Rest.
Ich behaupte
allerdings nicht, daß es sich um Kunst handelt. Es ist ja
leider viel schlimmer. Der böse Hiff ist meines Erachtens
die Erfindung einer Sekte, der Malthusianer. Malthus war ein Spinner,
der 1798 eine Schrift herausgab und behauptete, die Bevökerung
dürfe nicht wachsen, weil die Nahrungsproduktion nicht mithalten
könne.
Nach Malthus wären wir ausgestorben aufgrund von Nahrungsmangel.
Die modernen Anhänger dieser Sekte sehen es umgekehrt als ihre
Aufgabe an, die Welbevölkerung zu dezimieren, damit die weiße
Rasse, oder doch ein Teil davon, die Fäden in der Hand behalten
kann. Sie sprechen offen darüber, daß man die Erdbevölkerung
dezimieren muß! Und obwohl sie eine Reihe ganz unterschiedlicher
Strategien verfolgen, um dieses Ziel zu erreichen, ist doch sicher,
daß Kinder, sobald sie AIDS-Arzneien kriegen, keine Überlebenschance
haben.
Der bekannte
Meeresforscher Jaques Yves Cousteau hat ausgerechnet, daß
täglich dreihundertfünfzigtausend Menschen umgebracht
werden müßten. Das
geht hervor aus seinem Interview mit dem Unesco Kurier, sowie
dem Bericht der Gazette Geopolitischer Malthusianismus. Solche
Dinge schreiben sie ganz ungeniert. Sektenmitglieder
sitzen in den Ministerien, den Parteien, den Medien, an den Schalthebeln
der Macht. Einige meiner Künstlerkollegen dürften beteiligt
sein, die meisten trotten hinterher aus Mangel an kognitiven Fähigkeiten.
Insofern wäre es schon ein Kunststück, ihnen die Narrenkappe
aufzusetzen, nicht wahr? Wenigstens den Versuch will ich machen,
Kollegen. Erspart uns den verlogenen Ritus von Benefiz-Konzerten!
Wenn Ihr Kindern helfen wollt, müßt Ihr gegen den ansteckenden
Wahnsinn der führenden Generationen vorgehen. Fangt von vorne
an und bedenkt, ob eure Drogen vielleicht zum gleichen Programm
gehören. Die Kirche, nebenbei, ist gegen Verhütung, läßt
aber zu, daß Kinder nichts zu essen bekommen und mit Medikamenten
umgebracht werden. Die glücklichen Stuttgarter, alles Protestanten,
haben einen Begriff dafür und sprechen von Herrgottsbscheißerle.
Tut nicht so bescheiden, Kollegen! Ohne euch hätte der Wahnsinn
keinen Bestand. Sobald die Dröhnung kognitive Fähigkeiten
berücksichtigt, fliegt der Schwindel doch auf. Ich habe euch
hiermit gewarnt. Und Sprayer, die ein bißchen helle sind,
rufe ich auf, mein Werk zu unterstützen. Wir könnten die
Dröhn-Szene in die Verantwortung nehmen, Leute. Auf allen Benefizien
muß es heißen: Sie sterben an der Behandlung.
Nun seht mich
an: Meine religiösen Vorstellungen gelten als sektiererisch,
wer wollte es bestreiten. Ich möchte niemanden davon überzeugen
und bitte Euch im Gegenteil: Laßt die Finger davon. Ihr könnt
es vermutlich nicht beurteilen. Macht Euch lieber klar, was die
Kirchen lehren, und prüft es sorgfältig. Viele Menschen
glauben, daß sie in einen Himmel kommen, wie auch immer. Dazu
gehört die Annahme, daß bei der Zeugung nicht nur ein
leibliches Wesen entsteht, sondern zugleich eine Seele. Es entsteht
jedesmal eine neue Seele. Und daß diese Seele nach dem Tod
weiterlebt, wo auch immer, das habt Ihr doch behandelt? Die Anzahl
der beseelten Wesen ließe sich demnach beliebig vermehren,
versteht Ihr? Zwanzig, fünfzig, hundert Milliarden Menschenwesen,
das wäre nur eine Frage der Zeit.
Andere huldigen
dem Zufallsgott, wir sprachen davon, und Beseelung kommt für
sie gar nicht in Frage. Durch Zufall wollen sie alles erklären.
Der Mensch ist nur ein höheres Tier, und was dabei in Betracht
kommt, ist eben diese Fähigkeit zur unbegrenzten Fortpflanzung
seiner Art. Sie lassen nur gelten, was sie zählen und wägen
können und betrachten geistige Zusammenhänge als die Resultate
von Gehirnwindungen. Nach
dem Tod ist alles vorbei. Beide Richtungen pflegen ihren Dogmatismus,
sind also gegen Lernvorgänge und kognitive Prozesse weitestgehend
imprägniert. Die Malthusianer neigen zur zweiten Variante.
Ich stimme
mit keiner dieser Richtungen überein, das habe ich ja gesagt.
Ich gebe aber zu, daß meine Sicht der Dinge vollkommen absurd
erscheinen muß in Euren Augen. Ich bin nicht der Meinung,
daß die Seele bei der Zeugung entsteht und daß die Zahl
der Menschenwesen beliebig vergrößert werden kann. Was
sich ändert, ist allein das Verhältnis derer, die hier
unten spazieren gehen, zu denen, die oben den Bogen beschreiben,
falls Ihr Euch erinnert. Die Summe bliebe gleich. Aber diese ketzerische,
sektiererische Meinung will ich niemandem aufdrängen! Sie soll
nur dazu dienen, meine Verschrobenheit zu charakterisieren, Euch
allenfalls auffordern, hellwach zu bleiben und niemals - unter keinen
Umständen, hört Ihr! - die kognitiven Fähigkeiten
an der Garderobe irgendeiner Einrichtung abzugeben. Wow! Habt Ihr
das? Dürfte soweit konsensfähig sein.
Und denkt bitte
nicht, daß es mir Spaß macht, über diese Dinge
zu sprechen. Es lag nicht in meiner Absicht. Ich habe mich provozieren
lassen von plakativen Bierrockern, die als Künstler dazu beitragen
wollen, daß Kinder mit Chemikalien abgefüllt werden.
Dafür machen sie Lärm, und ohne das hätte ich mit
der Sekte nicht angefangen. Diese Burschen, deren Verhängnis
darin besteht, daß sie früher oder später an Erbrochenem
ersticken, müssen mit der Nase ganz tief in den Kot der Wirklichkeit
eintauchen, um auf ihre Art kreativ zu sein. Denen habe ich sicher
geholfen. Aber nun habt Ihr zugehört, und das wollte
ich eigentlich vermeiden. Meine Tochter, die mir eh über die
Schultern schaut, hat ernste Bedenken vorgetragen, was diesen Punkt
betrifft. Ihre Kreativität wirkt vollkommen anders, und Eure
vermutlich auch.
Ich habe ihr
dann vorgelesen, was einer der vermutlich letzten ehrlichen UNO-Gesandten,
was Jean Ziegler zur Ernährungsfrage sagt. Ein Kind,
das heute hungers stirbt, sagt er, wird ermordet. Fünfzig
Millionen Jahr für Jahr.
Das bedeutet
aber, so wieder sie, daß man diese Wesen erhalten könnte.
Davon will er offensichtlich reden, Väterchen. Du mußt
die jungen Leute nicht erschrecken, sondern Lösungen aufzeigen.
Der Schock
wird umso größer sein, mein Kind!
Nur mal ein
Beispiel. Wenn Deutschland oder Frankreich heute souveräne
Staaten wären, also nicht unter der Knute von Amtsverbrechern,
würden wir schon morgen mit Leitungswasser Auto fahren meines
Erachtens. Wasser besteht aus explosiven Stoffen, nicht wahr? Man
muß sie nur voneinander trennen, das weiß jeder. Aber
so funktioniert es nicht. Man kann es dahin bringen, daß es
implodiert. Und mit zehn Litern kommt man zweitausend Kilometer
weit. Für ein paar Euro könnte man vorhandene Motoren
umbauen, und das einzige Problem wäre der Rost, da sie nicht
entsprechend beschichtet sind. Der TÜV würde leider überhaupt
nicht mehr durchblicken, und natürlich wäre es eine Übergangslösung.
Es gibt elegantere Möglichkeiten der Energiegewinnung. Das
Wasserauto ist aber serienreif, man darf es halt nicht bauen. Die
Berliner Mondbutzer, Träger von Staatsgeheimnissen,
die müßt Ihr fragen! Schon übermorgen könnte
jeder Haushalt vollkommen autark sein, was Energie betrifft, und
bald würden wir fliegen, ohne jemals zu tanken.
Das Tanken
ist aber das Wichtigste, abgesehen von den Steuereinnahmen natürlich.
Gewaltige
Umwälzungen wären die Folge von frei verfügbarer
Energie. Diese gesellschaftlichen Umwältungen zu beherrschen,
fehlen zunächst alle kognitiven Voraussetzungen. Wir Älteren
sind damit völlig überfordert. Seht Ihr dieses Problem?
Ich sehe es natürlich auch. Ich finde es aber merkwürdig,
daß Parteibonzen sich anmaßen, über solche Fragen
zu befinden. Und daß es als demokratisch angesehen wird, uns
davon auszuschließen.
Habt Ihr je davon gehört? Wer das Thema nur erwähnt, gilt
als Spinner, und ich wage zu bezweifeln, ob Ihr ein Wort
glaubt. Die besten Verfahren stehen im offenen Widerspruch zu physikalischen
Gesetzen, die man in der Schhule lernen muß. Grausame Welt!
Man kann sie anfassen, sie sind wirklich vorhanden - leider sprechen
ein paar Gesetze dagegen. Vielleicht bestehen diese Gesetze aus
lauter Denkzwängen? Man muß in Rechnung stellen, daß
im Falle des männlichen Nervenkostüms verschiedene Leitungen
einfach nicht geschaltet sind. Damit will ich keinesfalls behaupten,
daß ich mitgeholfen habe, einen weiblichen Physiker ins Kanzleramt
zu bringen! Es sind aber sonst doch überwiegend Männer,
die den Schwachstrom anzapfen.
Was haltet
denn Ihr von solchen Lösungen? Tatsächlich genügt
ein aufrechter Mann, um das Ernährungsproblem zu lösen,
sofern man ihn läßt. Und ein souveräner Staat
wäre ausreichend, um das Energieproblem zu entschärfen.
Es müssen aber die kognitiven Fähigkeiten vieler Staaten
und Individuen zusammenwirken, um nur etwas davon umzusetzen. Sie
bringen sich vorerst lieber gegenseitig um, schon klar. Meiner bescheidenen
Meinung nach kann es dann erst besser werden, wenn Frauen ihre Rolle
begreifen. Sie müssen aufhören, unsere Fehler nachzuahmen.
Harte Worte, schon wahr, ich habe Euch aber gewarnt. In der öffentlichen
Meinung und in den Zeitungen ist Emanzipation ein anderes
Wort für Nachahmung.
Ich weiß
natürlich, daß meine private Meinung einigen Frauen,
die mitlesen, völlig absurd erscheint. Und ich weiß,
was Männer davon halten. Ist doch klar! Sie stellen sich vor,
was für Waffen mit dieser Technik entwickelt werden könnten.
Bomben und Raketen würden sie, wenn irgend möglich, bauen.
Jeder Haushalt müßte im Vorgarten Raketenbatterien hochstapeln.
Wenn sie aber recht gefährlich wären, könnte man
sie gut besteuern...
Ein albernes
Geschlecht, wie mein Chef zu sagen pflegte. Dennoch gibt es
Wesen, die uns küssen! Und vielleicht sogar lieben im Frühjahr,
wie der Dichter sagt. Maßlos ist das Wachstum der Bäume
und Gräser / Im Frühjahr, sagt Brecht. Ohne Unterlaß
fruchtbar / Ist der Wald, sind die Wiesen, die Felder. / Und es
gebiert die Erde das Neue / Ohne Vorsicht. Brecht habt Ihr doch
behandelt, oder? Man kann es schön finden, ohne ein Wort zu
glauben!
Klingt, als
würde der Erdenschoß Seelen hervorbringen. Was wäre
sonst neu an der Sache? Hat er aber nicht gemeint. Der große
Brecht hielt dem Zufallsgott die Stange und predigte von Naturwesen
mit Frühlingsgefühlen. Genau zehn Mondumgänge später
- dies schreibe ich für Frauen, falls welche mitlesen - beginnt
in der Regel ein kleines Wesen seinen Erdenspaziergang. Ist es nicht
merkwürdig, daß solche Naturburschen überall erzählen,
die Schwangerschaft dauere neun Monate lang? Nur Männer bringen
es fertig, solchen Unsinn zu behaupten. Was hat die Schwangerschaft
mit dem Gregorianischen Kalender zu tun, könnt Ihr mir das
sagen? Sie braucht zehn Mondumgänge, soviel Naturalismus sollte
immerhin sein.
Ich glaube,
daß die meisten Frauen etwas anderes spüren, als die
Zufallspriester annehmen. Frauen spüren, daß jedes Kind
eine Geschichte mitbringt, in der sie selbst eine Rolle einnehmen,
die alles andere als zufällig ist. Manchmal spüren's die
Väter auch, leider sprechen verschiedene Denkgewohnheiten dagegen.
Und wie üblich werden sie für Gesetze genommen. Bei Frauen
ist das vollkommen anders. In den unergründlichen Tiefen dieser
Wesen lebt das Wissen von dem einzigartigen Schicksalsband, das
jedes Kind in die Runde wirft. Die Seelen hatten schon bei früheren
Erdenspaziergängen miteinander zu tun. Und oftmals spüren
Frauen etwas von diesem Geheimnis. Es ist ihr innigstes, tief vergrabenes,
streng gehütetes, vor Neugier verborgenes, kaum je offen erklärtes,
maßlos großartiges, ohne Unterlaß schöferisch
tätiges Frühlingsgefühl. Wow! Und ich gehe als Sprachrohr
aus ihren Träumen hervor. Seht mich an: Sohn einer Hebamme;
Virenfänger von Hameln; Sprachrohr traumseliger Mütter;
Patron der Kinder.
Und seht das
Menschenkind in der Wiege, seht, wie es mit dem Kläbberle
arbeitet! Es erschließt sich bedeutende Zusammenhänge.
Ohne Maß ist die Lernfähigkeit des kleinen Wesens. Oh
seht diesen unvergleichlichen Frühling! Bevor der Kopf seine
eigentliche Größe erreicht, wird er im Dogmatismus erstarren.
Meistens schläft das Wesen und hat keinerlei Bewußtsein
von der Umgebung, die es anfassen kann. Das Bewußtsein ist
wie herausgezogen. Später geht es wieder hinein und arbeitet
weiter an dem kleinen Leib. Doch bald zieht es sich, überwältigt
von Lernvorgängen, wieder zurück. Wohin? Schon ist der
Körper mit allerlei vitalen Prozessen allein. Es fehlt etwas.
Das Wichtigste fehlt! Zufallsanbeter vermuten, daß eine bestimmte
Hirnfrequenz fehlt, solange es schläft, irgendwelche Schwingungen,
elektrischer Strom im Prinzip. Kann man messen. Bitte nicht anfassen!
Es könnte sich als Irrtum erweisen, meiner bescheidenen Meinung
nach. Wir wissen so wenig, Kinder. Und die kleinen Wesen könnten
uns unendlich viel sagen, wenn die Beobachtungsgabe ausgeprägter
wäre.
Das war auch
schon beim Kuß der Fall, wenn Ihr Euch erinnert. Oh, ich liebe
diese Schleifen! Und ich möchte darauf hinweisen, daß
meine Anspielungen leicht zu durchschauen sind, wenn die Voraussetzungen
stimmen. Der Zusammenhang ergibt sich allerdings nicht aus dem Flugplan
der Airlines. Tatsache ist, daß ich selbst nicht in der Lage
bin, solche Dinge zu planen. Es geschieht zunächst ohne Absicht,
wie in einem Spiel. Man muß nur hellwach sein, anders als
gestern Abend. Und natürlich weiß ich so gut wie Ihr,
daß in dem Wirklichkeitsbereich, den wir anfassen können,
nicht einfach nochmal gelandet werden kann. Wir begnügen uns
aber nicht mit Allgemeinplätzen.
Durch die zweite Landung habt Ihr selbst, und vielleicht zum ersten
Mal, eine verborgene Absicht durchschaut, und das ist wertvoll über
die Maßen. Es ist eine Tatsache, die mehr zählt als das
Wachstum der Bäume im Frühjahr vermutlich. Ihr
wußtet, daß ich zu Danièle wollte, obwohl ich
vom Pferd erzählt habe!
Und nun kann
man es dahin bringen, zu verstehen, was die Natur erzählt!
Obwohl sie voller Geheimnisse steckt. Und was die Zeitungen erzählen
sowieso! Wen wollen sie mit ihren abscheulichen Pferdezungen knutschen,
das ist jedesmal die Frage. Oder nehmt die Bierrocker. Auf was für
Drogen fahren sie gerade ab? Das alles kann man wissen! Und welche
Sau wird aktuell durch's Dorf getrieben? Ich bin sicher, daß
gerade Ihr mit der Erforschung solcher Sachen viel weiter kommen
könnt, als ich. Denn mir bleibt nicht mehr sehr viel Zeit.
Wenn Ihr doch diese merkwürdigen Schleifen schon mal beachten
wolltet! Der Sinn einer Sache ergibt sich aus der rückläufigen
Bewegung der Gedanken. Habt Ihr das? Nee? Meine Aussage macht also
keinen Sinn für Euch? Wenn Euer Fall geklärt ist, können
wir meinetwegen Philosophie und Erkenntnistheorie durchnehmen, um
diese Fragen zu behandeln. Oder sollen wir gleich noch einmal landen?
"Nochmal
landen - was ist das denn?" fragt der Großvater, der
soeben aus süßem Schlummer erwacht. Er hat keine Ahnung,
wie er das verstehen darf. Die rückläufige Bewegung seiner
Gedanken findet keinen Anker, da er die entscheidenden Passagen
verschlafen hat. Aus solchen Defiziten entstehen Fragen und Rätsel.
Habt Ihr das? Na also! War das nun schwierig? Was meint Ihr wohl:
Hat der normale Zeitungsleser eine Ahnung, in welchem Zusammenhang
die Meldungen stehen, die ihm an den Kopf geworfen werden, kaum
daß er die Augen auftut? Ich fürchte, das Entscheidende
fehlt, und der Anker, den er dennoch setzen mag, hält nicht
viel, weder bei Ostlagen, noch bei den vorherrschenden Westwinden,
noch sonst irgendwann. Wow! Es ist alles in den Wind geschrieben.
Doch rasch
zurück zu Eurem Mandat. Habt Ihr den Bericht? Das Virengetöse
geht im Wesentlichen von einer Sekte aus, aber nicht von meiner,
wenn Ihr folgen könnt. Ich bin selbst eine Sekte und keineswegs
harmlos für die Bürger von Hameln. Sie werden alles verlieren.
Ich verführe ihre Kinder, treibe einen Keil durch die Familien.
Ich untergrabe die Autorität der Behörden. Vielleicht
erfülle ich sogar einen Straftatbestand. Ich sprühe üble
Sprüche und Flüche über Bierbäuche von Künstlern,
und obwohl ich die Kirchensakramente verweigere, will ich für
einen Christenmenschen gelten. Verkehrte Welt! Und dann Hermine,
eine Zauberin! Will Euch glauben machen, daß
die Regierung der Vereinigten Staaten in die Machenschaften dieser
Sekte, nicht meiner, verwickelt ist. Mit der Vorstellung habt Ihr
aber keine Probleme.
Oder doch?
Bravo! Das
ist recht brav gedacht. Kennt Ihr den guten Menschen von Sezuan?
Schlagt nach bei Brecht! Außer mit dem Rattenfänger von
Hameln bin ich noch mit der Shen-Te aus diesem Stück verwandt.
Meine Erfahrung ist die, daß in modernen Staaten für
einzelne Verbrechen zwei Ämter vorhanden sind. Auf dem einen
wird ein Verbrechen bekämpft, auf dem anderen ausgeübt
im großen Stil. Steht so nicht in den Zeitungen, schon klar.
Anders kann man die Wirklichkeit unserer Tage gar nicht verstehen
meines Erachtens. Von den Professionellen, die im Blätterwald
für Nepp verantwortlich sind, dürft Ihr nicht erwarten,
daß sie etwas merken. Den Teufel spürt das Völkchen
nie, lautet das geflügelte Wort, das sie dennoch zitieren.
Goethe habt Ihr doch behandelt? Ich kann wirklich nicht alle Fächer
mit Euch durchnehmen! Bleiben wir bei der Verbrechensbekämpfung.
Was das betrifft, sind sie eine Quantité négligeable,
die Spezialisten der Zeitungen, ganz egal, ob man sie nach Hunderttausenden
oder nach Millionen beziffert.
Nur mal ein
Beispiel. Das Gesundheitswesen ist als Markt größer als
jeder Staatshaushalt. Habt Ihr das gewußt? Und der Umsatz
wird mit Chemikalien gemacht. Egal, was man hat, immer helfen Chemikalien.
Genial einfach! Wer hingeht, wird mit Lebensgegenteil abgefüllt,
steht ja auch drauf. Das eine Amt baut Krankenhäuser, das andere
sorgt dafür, daß sie voll werden. Die Mittel sind vorhanden,
man muß nur motivieren. Lebensgegenteil
gilt als Mittel der Wahl. Man
hat sehr gute Erfahrungen damit gesammelt. Man muß die Chemikalien
zu den Menschen bringen. Am besten in sie hinein. Durch die kleinen
Körper läßt man Sondermüll entsorgen. Im Kläbberle
Weichmacher. Am Tag nach der Geburt werden die Augen veräzt,
dann die erste Impfung. Bei Unverträglichkeit Lebensgegenteil,
in schweren Fällen Breitbandlebensgegenteil. Dann wieder impfen:
Drei auf einen Streich. Ganz
egal, ob man die Präparate nach Hunderttausenden oder in die
Millionen zählt, der Heilerfolg ist eine Quantité
négligeable. Und die Kassen müssen den Nepp bezahlen,
dafür sorgt das Ämtersyndikat.
Ja Entschuldigung,
ich kann auch Märchen vorlesen. Wollt Ihr das? Impfzwang heißt
die Lösung! Dann wären alle gesund. Schon im Mutterleib
würden wir die kleinen Wesen gegen Weichmacher abhärten.
Sie kämen heraus und wären immun! Dem Fruchtwasser könnte
man Impfangebote beimischen, und in die Nabelschnur käme ein
Infusionsschlauch für Lebensgegenteil. Sie müßten
förmlich gesund werden. Auch ohne daß sie krank waren.
Man bräuchte überhaupt keine Krankheit und würde
doch immer behandeln. Insofern wäre auch kein Heilerfolg nötig.
Den würde man sich komplett sparen. Tolle Sache, oder? Man
muß nur richtig motivieren. Und könnte Umsatz generieren.
Man würde ein paar Leute schmieren. Ansonsten ihre Konten einfrieren.
Die würden sich nicht lange zieren! Es könnte sonst zufällig
jemand krepieren. Und im Befund stünde: Insuffizienz der Nieren
beziehungsweise Resistenz der Viren.
Es gibt eine
Armada von Organisationen, Kinder, die das Impfen zur Pflicht machen
wollen. Bis dahin muß der Ausdruck Vorsorgeuntersuchung
herhalten. Ich wußte es selbst nicht! Wenn ein Kind geboren
wird, hält das Krankenhaus einen Paß bereit, der für
bestimmte Lebenswochen Untersuchungungen vorsieht. Der Kinderarzt
stempelt das dann jeweils ab. Fand ich prima! Beim ersten Mal wurden
wir aufgeklärt über das Impfen ansich und im Besonderen,
denn wir hatten im Krankenhaus dankend abgelehnt. So auch hier.
Ich wollte von der Ärztin jedoch wissen, ob unser Kind Auffälligkeiten
zeigte ihrer Meinung nach. War aber alles prima. Beim nächsten
Termin wurden wir so eindringlich auf die Vorteile des Impfens hingewiesen,
daß ich mir ein paar Bemerkungen nicht verkneifen konnte.
Ihr habt ja meine knappen Nebensätze auch schon ein wenig kennengelernt.
Wie geht es übrigens dem Großvater? Sie jedenfalls fragte
erschrocken, warum wir überhaupt kämen, wenn nicht zum
Impfen! Ich versuchte, es zu erklären und vereinbarte den nächsten
Termin. Seht Ihr, wie naiv ich damals war? Sehr aufmerksam. Und
dann dieser Zwischenfall. Unsere Tochter wurde krank. Eine Kinderkrankheit!
Wir bekamen einen Sondertermin und wollten wissen, was es zu beachten
gebe. Ja was denn los sei, fragte sie. "Es ist Keuchhusten,"
sagte ich. Sie war erstaunt, zeigte sich aber bereit, Lebensgegenteil
zu verschreiben. Ich lehnte dankend ab und verordnete meinerseits
eine äußerst knappe Bemerkung. Darauf wurde sie stinkig
und verwies mir solche Worte. Es ist aber die wörtliche Übersetzung,
stimmt's? Das war vielleicht das Schlimmste! Sie mußte sich
eingestehen, daß es die wörtliche Übersetzung ist.
Es geht nur
um Impfstoffe und Lebensgegenteil. Deshalb sollen Vorsorgeuntersuchungen
zur Pflicht werden. Zugleich kann den Eltern das Sorgerecht dann
leichter entzogen werden. Und wenn Behörden sich um Kinder
sorgen, werden sie korrekt mit Chemikalien abgefüllt. Das ist
mal amtlich! Was vorerst fehlt, ist ein entsprechender Straftatbestand.
Wenn es nach den Organisationen geht, werden widerspenstige Eltern
nicht nur ausgegrenzt, sondern kriminalisiert. Nur Rabeneltern nennen
die die Dinge beim Namen!
Auch die Bürger
der Stadt Hameln befüchten, daß ihre Kinder den vorausberechneten
Sättigungsgrad an Chemikalien nicht erreichen, wenn wörtliche
Übersetzungen Schule machen. Ein dauerhafter Grundpegel an
Lösungsmitteln und Sondermüll ist nach gängiger Meinung
die Voraussetzung dafür, daß sie nicht von schrecklich
ansteckenden Krankheiten heimgesucht werden. Die jungen Ärzte
dieser Stadt haben niemals etwas anderes gehört! Von morgens
bis abends hat man solche Binsen für sie gedroschen. Gegenfrage:
Darf man dieses dulden? Gefährdet es die Christenheit? Muß
man im anderen Amt Vorsorge treffen gegen solch fahrlässiges
Geschwätz? Fehlt ein entsprechender Straftatbestand? Darf man
die Bürger dieser Stadt ihrem Wahnsinn einfach überlassen?
Wie isses, Kollegen, wollen wir für die gute Sache trommeln?
Wir könnten Benefizien veranstalten und lärmen zum Segen
dieser Kinder. Lest mit, dann schaffen wir die kognitiven Voraussetzungen.
Es ist ein total abgefahrener Stoff!
Wir sind dann
nie wieder hingegangen, Kinder! Die Ärztin
tat mir leid. Früher oder später wäre sie von Nebenbemerkungen
aus der Bahn geworfen worden. Sie wußte zu wenig, schon klar.
Aber Hand auf's Herz: Hättet Ihr gewußt, daß
Impfstoffe zu neunundneunzig Prozent aus Hilfs- und Duftstoffen
bestehen? Darunter erstklassiges Gift wie Quecksilber und Lösungsmittel?
Das Gesetz verpflichtet Ärzte, über die damit verbundenen
Gefahren aufzuklären. Sie wissen aber gar nichts davon. Jedenfalls
klären sie nicht auf. Meine Nebenbemerkung beantwortete die
Ärztin mit dem geflügelten 'Wort von bedauerlichen
Nebenwirkungen. "Sie meinen vermutlich die neunundneunzig
Prozent Wirklichkeit, von denen Sie keine Ahnung haben?" bemerkte
ich übellaunig. Später tat es mir leid. Wäre ich
vorher weniger naiv gewesen, hätte ich mich nachher nicht so
aufgeregt. Ich bin eigentlich nicht zuständig für die
Grundausbildung von Ärzten, hey. Wenn Ihr unbedingt mitlesen
wollt, meinetwegen. Wir sorgen auch hier zuerst für die kognitiven
Voraussetzungen, Herrschaften, das kann nicht anders sein. Bitte
bei den Musikern Platz nehmen.
Sie wissen
so wenig, Kinder. Die Medizin ist ein Fach, das ganz ohne wissenschaftliche
Grundeinstellung auskommt. Tatsächlich gibt es nur einen
Wirklichkeitsbereich, von dem sie weniger wissen. Ich meine jenes
andere Prozent, das beabsichtigt wäre. Neununsneunzig Prozent
sind zufällige Nebenwirkungen, der Rest ist beabsichtigt, sagen
sie. Leider haben sie auch keine Ahnung, wie man Statistiken fälscht.
Um impfen zu dürfen, belegen sie mit Zahlen, daß Krankheit
Sowieso um sich greift. Sie weinen Krokodilstränen.
Immer mehr Fälle treten auf, nachdem früher alles bestens
war! Wenn man genauer hinschaut, zeigt sich etwas ganz Merkwürdiges.
Es zeigt sich nämlich, daß da, wo Krankheit Soweiso um
sich greift, intensiv geimmpft wurde. Seit hundert Jahren abends,
so das geflügelte Wort von Brecht, bekommt man nach jeder Impfaktion
eine Häufung der Fälle und eine Ausbreitung von Krankheiten.
Wo nicht geimpft wird, nehmen sie ab.
Der Rückgang
aller Infektionskrankheiten geht auf Fortschritte bei der Hygiene
und in der Trinkwasserversorgung zurück. Kinderlähmung
zum Beispiel! Sie plagen die Christenheit erst dann wieder, wenn
es zu Impfaktionen kommt. Wie religiöse Fanatiker auf ihre
Buchstaben, so starren Ärzte auf die falschen Zahlen. Sie registrieren
nur die Zunahme und wollen überall impfen. Mit der wissenschaftlichen
Analyse der Zahlen sind sie überfordert. Sie sind blind dafür,
weil die kognitiven Voraussetzungen fehlen.
Für Chemikalienhändler
ist das Geschäftsmodell dennoch interessant. Außer blinden
Medizinern und Zeitungen, die ein Abo darauf haben, brauchen sie
noch Ämter und Ministerien zum Erfolg. Ohne diesen Segen von
Oben wären alle Anstrengungen umsonst. Innerhalb von
Tagen wäre der Spuk vorbei. Hermine hat es auf den Punkt gebracht.
Ohne den verlogenen Ritus müßte man sehr viel Schmiergeld
ausgeben. Durch den Ritus sind die maßgeblichen Leute hörig
und weisungsgebunden. Sie müssen die Hosen runterlassen und
Gehorsamkeit schwören, haben aber keine Ahnung, wem. Auf Regelverstöße
steht die Todesstrafe, die Regeln werden aber nicht bekannt gegeben.
Wer auf die Art seine Seele verkauft hat, dürfte zu allem fähig
sein.
Zunächst
macht er vielleicht nur Karriere. Irgendwann darf er sich bewähren.
Der Großvater wird sich an den Namen Uwe Barschel erinnern.
Er hatte es zum Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein
gebracht, was ohne rituelle Rückendeckung schier unmöglich
ist. Die Zeitungen sprechen hier von Demokratie. In Barschels Fall
ging es nicht um das Geschäft mit der Krankheit - trotzdem
wähle ich dieses Beispiel - sondern um Waffenschiebereien.
Der Ministerpräsident konnte sich vermutlich nicht erinnern,
dazu verpflichtet worden zu sein. Er kannte die ja Regeln nicht,
die trotzdem gelten! Man fand ihn schließlich tot in einem
Genfer Hotel, auf der Gästeliste lauter Geheimagenten. Die
Hinterbliebenen suchen bis heute nach einem Gericht, das bereit
wäre, die Dinge beim Namen zu nennen. Fragt den Großvater!
Es war ein Ritualmord.
Ich hoffe,
daß Ihr nie auf diesem Gebiet ermitteln müßt! Ein
Kollege der Agenten hat die Hintergründe der Tat in einem Buch
bekannt gemacht. Seitdem befindet er sich auf der Flucht. Die Zeitungen
dürfen nichts bringen bis heute. Müssen Nebelkerzen steigen
lassen. Sind weisungsgebunden. Kennen die Regeln vermutlich besser
als Barschel. Erzählen vom Pferd. Demokratie und so. Lügen
möglichst nicht selbst. Der hat dieses, jener das gesagt, schreiben
sie. Jeder weiß, das es Lügen sind. Sie haben's aber
doch gesagt, sagen die Zeitungen, insofern ist es wahr. Die Gräfin
Dönhoff, damals selbst auf der Kommandobrücke eines Flaggschiffs
der rituell frömmelnden Käseblätter, wow, hat mich
auf diesen Umstand hingewiesen.
Den Brief kann
ich Euch zeigen. Normalerweise haben Frauen keine Ahnung von verborgenen
Männergesellschaften. Auch Männer wissen übrigens
so gut wie nichts. Barschels Angehörige haben die kognitiven
Voraussetzungen zu spät erworben. Falls doch einige Frauen
mitlesen: Ihr solltet wahrhaftig früher erforschen, was Eure
Männer nebenbei treiben. Wenn sie ihre Seelen verkauft haben,
dürfte es zu spät sein. Dann könnt Ihr sie getrost
zum Teufel jagen entsprechend einem geflügelten Wort.
Harte Worte, schon wahr. Ein untrügliches Zeichen für
diese Art von Bund ist die Tatsache, daß man nicht mehr davon
loskommt. Es ist nicht möglich, sich zu verabschieden. Man
kommt auch nicht hinein, ohne zuvor ausgespäht worden zu sein.
Beim Seelenheil Eurer Liebsten: Laßt niemals zu, daß
sie irgendwo beitreten, wo nicht jeder beliebige Bürger auf
Antrag Mitglied werden und jederzeit wieder austreten kann. Unter
keinen Umständen dürft Ihr das zulassen!
Ungewöhnlich
steile Karrieren und glänzender Geschäftserfolg sind zwar
keine Beweise, aber doch Verdachtsmomente. Dann forscht nach! Stehen
sie unter Eid? Gehen sie zu Veranstaltungen mit Anwesenheitszwang?
Gibt es Dinge, über die sie nicht sprechen dürfen? Wenn
sie von weihevollen Aufgaben salbadern und zu Musterknaben in Sachen
Wohltätigkeit mutieren, ist das die typische Masche für
Mitglieder der unteren Ränge. Den Teufel merkt das Völkchen
nie. Das Völkchen hat nämlich keine Ahnung, welche
Schweinepriester im Verborgenen den Ritus leiten und welche Macht
angerufen wird mit den herzerwärmenden Phrasen. Eure Liebsten
werden von Anfang bis Ende betrogen und zu kompletten Idioten gemacht
unter salbungsvollen Symbolhandlungen in lichterfüllten
Weiheräumen. Die Garderobe, an die man zuvor ihre Seelen
kunstvoll aufgeknüpft hat, ist der Altar der Macht, die dort
angebetet wird.
Entschuldigt,
Kinder, daß ich für einen Augenblick die Frauen direkt
angesprochen habe. Ich mache mich selbst zum Narren damit, da sie
vermutlich kein Wort glauben. Erinnert Euch an den Zaun von Tante
Polly in Tom Sawyer's Abenteuern! Als Strafe für einen enizigen
geschwänzten Schultag sollte er diesen verdammten Zaun streichen,
obwohl er gar nicht vorhatte, samstags wie ein Sklave zu arbeiten.
Die Bengel aus dem Dorf, denen alle kognitiven Voraussetzungen fehlten,
bezahlten aber dafür, streichen zu dürfen, nachdem er
klar gemacht hatte, daß es eine besondere Ehre war. Sie rissen
sich um den Job, und er hätte sie wahrscheinlich alle ruiniert,
wenn der Zaun nicht irgendwann dreifach perfekt gestrichen gewesen
wäre. Und den Liebsten dieser bedauerlichen Frauen geht es
ganz entsprechend. Ihr ganzes Leben lang streichen sie den Zaun
von Tante Polly und haben die Ehre, als Dorftrottel vorgeführt
zu werden. Trotzdem
sind sie unsere einzige Hoffnung, ich meine die Frauen. Nur Wesen,
die über urgewaltige Liebe verfügen, können Männergesellschaften,
die des Teufels sind, aus der Bahn werfen. Leider fehlen zunächst
alle kognitiven Voraussetzungen.
Zunächst
müßten sie dafür sorgen, daß Mitgliedschaften,
die nicht jederzeit unbeschadet aufgekündigt werden können,
verboten werden. Danach müssen die Mitglieder von allerlei
schillernden Berufsständen vor eine Wahl gestellt werden. Entweder
sie treten aus, oder sie reichen ihren Abschied ein. Betroffen wären
zunächst Schul- und Hochschuldirektoren; Abgeordnete und Senatoren;
Staatsanwälte, Fernsehmacher, Richter: Parteibonzen, Rundfunkräte,
Dichter; Gewerkschafts- und Kirchenfunktionäre; Ressortleiter
und Chefredaktäre; Angehörige der Streitkräfte und
Sicherheitsorgane; Verbandsprecher und Ständevertreter mitsamt
ihrer Saufkumpane.
Geheimgesellschaften
müßten ihre Verhältnisse offen legen; jedes Mitglied
beim Namen nennen; unter Androhung der Todesstrafe für falsche
Angaben die komplette, internationale Hierarchie darstellen; und
jedes Treffen wörtlich protokollieren. Der
große Kanzler Otto von Bismarck hatte bereits erste Schritte
in diese Richtung unternommen. Gütiger Himmel! Wie sähe
die Welt heute aus, wenn Kaiser Wilhelm der Zweite über die
kognitiven Voraussetzungen verfügt hätte, diese Maßnahmen
fortzuführen! Habt Ihr denn auch gelernt, daß der erste
Weltkrieg durch das Attentat von Sarajewo ausgelöst wurde?
Das könnte sich als Irrtum erweisen, nach all der Zeit. Wenn
der Bush-Mann die Absicht hat, einen Krieg zu führen, trifft
er heimlich die Vorbereitungen und sorgt im richtigen Moment für
einen Anlaß. Soweit habt Ihr die Zeitungsberichte der letzten
Jahre sicher durchschaut. Bismarck hätte sich zur Kur nach
Bad Ems begeben und eine Depesche verschickt. Habt Ihr das behandelt?
Die Emser Depesche war so gehalten, daß Frankreich
den Krieg begann, den Bismarck führen wollte. Ich schätze
allerdings, daß nicht einmal Bismarck den Irak oder Afghanistan
oder Persien oder Frankreich oder Osama dazu gebracht hätte,
gegen die Vereinigten Staaten Krieg zu führen. Der Bush-Mann
trommelte eine Koalition der Idioten zusammen, die es fertig brachte,
ihre eigenen Lügen für bare Münze zu nehmen. Koalition
der Idioten entspricht nicht der offiziellen Sprachregelung,
hört Ihr! Ein Kollege von mir sagte neulich im Radio: "Den
Osama wird man eines Tages vermutlich in Camp David finden."
Camp David ist der Ort, wo amerikanische Präsidenten ihre Staatsgäste
empfangen, wenn Washington zu förmlich wäre. Ja sicher!
Ich kann nichts dazu. Es kam auf Bayern2Radio.
Habt Ihr gewußt,
daß Kaiser Wilhelm belgische Kinder zum Frühstück
verspeiste? Nee? Und daß er allen andern die Hände abhacken
ließ? Stand 1916 in den amerikanischen Zeitungen. Das hat
man Euch hoffentlich gesagt! Der Grund ist einfach zu verstehen.
Selbst in England hatte man genug vom Krieg. Jenes andere Land,
das weit in die Gebiete seiner Kriegsgegner vorgedrungen war, bot
allen Beteiligten den vollständigen Rückzug und Friedensvereinbarungen
an. Aber dann wurde in den Zeitungen diese Kampagne losgetreten
mit der Absicht, den Frieden zu verhindern und Amerika in den Krieg
zu verwickeln. Was geht uns dieser Krieg an? fragten dort
die Leute. Ihr müßt belgische Kinder vor dem deutschen
Kaiser retten, sagten die Zeitungen. Die braven amerikanischen
Leser hatten keine Ahnung, welche Absichten ihnen verborgen wurden.
Nach weiteren
Jahren des Blutvergießens kam es, na? Zum Waffenstillstand!
Und zu Vereinbarungen, die den Kriegsgegnern jenes Landes, das den
Frieden längst angeboten hatte, als böse Schande,
so ein geflügeltes Wort, noch lange anhaften wird. Als
erstes verhängten sie die eine Hungerblockade über
dieses Land, während der über zwei Millionen Menschen
starben. Darunter siebenhunderttausend Kinder. Es war vorher nicht
üblich gewesen, ein Land absichtlich von der Welthungerhilfe
auszuschließen. Das
war aber nur ein Nebenaspekt des ehrenvollen Friedens, den
man diesem Land zugesagt hatte. Fragt den Großvater. Der Bush-Mann
hieß damals Wilson, Wilson mit den Punkten im Volksmund,
weil er Friedenspunkte formulierte, die sich als schändliche
Lügen erwiesen. Wer weiß, wie der andere hieß,
welcher in Japan Atombomben abwarf? Genau: Truman. Schande, Schande,
Schande. Sie mögen ihre eigene Geschichte formulieren, wie
sie wollen. Seht nur zu, Ihr Helden, daß Ihr die Absichten
immer gut durchschaut.
Entschuldigt,
daß ich vom Thema abgewichen bin. Der erste Weltkrieg, auch
wenn es nicht aus den Schulbüchern hervorgeht, wurde in geheimen
Männergesellschaften vorbereitet, als Bismarck noch im Amt
war. Die Spur führt nach England. Ich schätze, daß
dort, in den lichterfüllten Weiheräumen, noch heute Landkarten
hängen, die sie in den achtziger Jahren gezeichnet haben. Schätze,
Ihr wißt, von welchem Jahrhundert die Rede ist. Diese Karten
von 1880 zeigen, wie Europa nach dem Krieg von 1914-18 aussehen
sollte. Klingt total verrückt, schon wahr. Zufall klingt viel
harmloser, wie? Helft Euch selbst! Es
ging um Machtverhältnisse.
Weltkrieg bedeutet nach internationaler Übereinkunft
im wesentlichen Krieg aller gegen Deutschland. Dieser Sprachgebauch
hat sich eingebürgert.
Und wer vom
falschen Stamm ist, wird ausgebürgert. Er kriegt weder eine
Verfassung, noch das Völkerrecht. Menschenrechte und Völkerrechtsbestimmungen
habt Ihr doch behandelt? Na also! In englischen Blättern wird
über diese Dinge manchmal debattiert. Kinder,
Kinder! Nur Wesen, denen die Urgewalt der Liebe zu Gebote steht,
könnten mit klugem Verstand einen Ausweg finden aus unserer
Situation. Ansonsten müssen wir uns fügen. Man wird uns
wie Hunde mit derben Tritten zerstreuen, wenn wir die Dinge beim
Namen nennen. Wir
gehören zu einem Volk, dem die Selbstbestimmung verwehrt wird.
Seit mehr als sechzig Jahren stehen wir unter Kriegsrecht! Große
Zeiträume, strategisch geplant. Einige Idioten forderten die
totale Vernichtung des genannten Stammes, war aber nicht konsensfähig.
Bismarck hat
seine Rechnung ohne das andere Geschlecht gemacht. Und jeder außer
mir tut es bis heute. Ich wage dennoch eine Prognose. Wenn etliche
solcher Wesen eines Tages begreifen, was diese Burschen im Verborgenen
anrichten, machen sie Schluß damit. Das kann nicht anders
sein! Wir Männer haben uns, geschichtlich betrachtet, immer
ohne alle Umstände dressieren lassen. Man zeige uns eine Hierarchie,
schon stürmen wir zu den Fahnen. Man kleide uns in Leibchen
mit verschiedenen Farben, schon schlagen wir aufeinander ein. Strebernaturen
sind besonders gefährdet, hört Ihr? Ich meine Figuren,
die alles schlucken, ohne jemals zu fragen. Man sollte sie auf den
Mond schießen, mit Verlaub, ich sage es aus eigener Erfahrung!
Man kann uns sehr leicht davon überzeugen, daß wir auserwählt
sind für weihevolle Aufgaben. Bla bla bla! Seht
doch ein, meine jungen, über alles geliebten Helden, daß
außer von Frauen alles von Euch abhängt! Werdet Ihr Eure
Seelen verkaufen, wenn die Werber mit verführerischen Schmeichelworten
an Euch herantreten? Ich habe Euch gewarnt.
Es ist übrigens
nicht ungefährlich, die Regeln der Virenbestimmung zu kennen,
hey! Weltumspannende Geschäfte geraten in Gefahr, wenn es sich
rumspricht. Auf dem Spiel stehen größere Summen als selbst
im Rüstungsgeschäft. Stellt Euch vor, man könnte
die Weltbevölkerung durchimpfen mit einer Chemikalie, die zwar
nichts taugt, aufgrund von Lizenzen aber recht teuer veranschlagt
wird. Das Neunundneunzigfache an Hilfs- und Duftstoffen kommt wie
üblich dazu, im Prinzip Sondermüll, den man sonst entsorgen
oder verklappen müßte, hier aber als Aktivposten verbucht.
Natürlich bessert sich nichts. Es kommt vielmehr zu einer Häufung
bestimmter Krankheiten, vielleicht zu Spontanmutationen. Aber das
ist das Schöne am Virengeschäft: Jeder Fall, den man wie
auch immer zustande bringt, hilft die Notwendigkeit eines allgemeinen
Impfzwangs zu begründen. Daraus entstehen epidemieartig weitere
Fälle. Wer sich dann nicht impfen ließe, wäre eine
Gefahr für die Christenheit! Ordnungsbehörden würden
Zwangsmaßnahmen verhängen, damit der Umsatz stimmt.
Ich denke,
daß die Vorteile dieses Geschäftsmodells auf der Hand
liegen. Und macht Euch keine Gedanken wegen der Beteiligung von
allerlei Regierungsmitgliedern. Diese Figuren kommen und gehen.
Sie dürfen froh sein, als nützliche Idioten, so
lautet ein geflügeltes Wort, eine Nebenrolle zu bekleiden.
In Männergesellschaften rechnet man mit sehr großen Zeiträumen,
und Eintagsfliegen schlüpfen beim Abtritt in großer Zahl.
Vor diesem Hintergrund ist es nicht ausgeschlossen, daß Hermine
recht behält. Man produziert auf Halde und bewirkt durch Marketing,
daß eine Seuche in Umlauf kommt. Diesen Verdacht dürft
Ihr im Bericht ansprechen. Bleibt ansonsten bei den Fakten.
Man kann sie
nicht anfassen, und doch müssen wir sie zu fassen kriegen.
Ich meine die Absichten. Manche Leute mögen nicht, wenn man
ihre Absichten durchschaut. Andere verfolgen Absichten, die längst
durchschaut sind. Ich denke an Lehrer, an Bierrocker, an Impfärzte
- eine träge Masse. Normal ist das nicht! Man kann sich seine
Absichten im Prinzip eingestehen, aber nicht jeder Mensch ist dazu
in der Lage. Viele wüßten gar nicht, wovon die Rede ist.
Wenn Ihr dem Teddy ein Bettchen bauen wollt, und über Nacht
ist die Stichsäge weg - was passiert denn da? Was geschieht,
wenn Absichten durchschaut, was, wenn sie durchkreuzt werden? Wenn
wir die Gefühle anderer Menschen verletzen, gehen wir entschieden
zu weit. Das liegt niemals in meiner Absicht, unter keinen Umständen!
Ich gehe im Einzelfall dennoch weiter. Ich mache Absichten zunichte,
soweit ich kann. Was ist dazu nötig? Die Absichten haben eine
ganz merkwürdige Eigenschaft, Kinder. Tiefe, weltumspannende
Geheimnisse sind damit verbunden. Eine Absicht, die man sich bewußt
gemacht hat, wird tendenziell besser. Jedweder zivilisatorische
Fortschritt, das Gute schlechthin, wird sichtbar dadurch, daß
Absichten bewußt wurden. Eine ganz merkwürdige Geschichte.
Man muß es selbst erlebt haben. Und man kann einen tiefen
Blick ins äußere Weltgeschehen tun durch diese Aufrichtigkeit
sich selbst gegenüber. Und sei sie noch so flüchtig. Nur
ein Vorschlag! Ich will keinem etwas predigen. Mir geht es darum,
die Absichten gewisser Chemikalienhändler bekannt zu machen.
Wenn wir sie sehen, sind sie eigentlich schon Vergangenheit. Sie
werden besser. Dafür plagen wir uns ab!
Vollkommen
neue Dinge entstehen. Als Bismarck den Forderungen der Arbeiterschaft
eine gewisse Berechtigung einräumte, entstand die moderne Sozialgesetzgebung.
Unsere heutigen Sozialdemokraten setzen alle Hebel in Bewegung,
sie zu demontieren, freilich nicht allein. Manchmal fragt man sich,
warum ganze Berufsstände mit Blindheit geschlagen sind, und
die Antwort ist immer in den Absichten zu suchen. Keine Ausnahme!
Wir können nicht mit dem Licht der Vernunft auf Absichten blicken,
die wir verfolgen. Es ist der blinde Fleck des Bewußtseins.
Kein Geld mehr da, sagen die Demokraten. Wo ging's denn hin? Es
kann doch nicht verschwinden! Die Demokraten haben es in einen Abgrund
geworfen, und wollen's nicht zugeben. Daß
es vollkommen berechtigte Forderungen gibt, den Zinsabgrund zuzuschütten
- freilich nicht mit unserem Geld - geht an solchen Blindgängern
vorbei. Das ist total spannend! Es gibt exakt zwei Positionen im
Staatshaushalt, die auf ewig ausgenommen sind vom sogenannten Sparzwang:
Diäten und Zinseinkünfte. Undenkbar, daß sich daran
etwas ändert. Alles fließt, aber diese Positionen stehen
fest. Überall Sparzwang, dort exponentielles Wachstum. Habt
Ihr das? Stellt Euch vor, ein Baum wächst immer weiter, je
höher, desto schneller. Tolle Sache? Nein: Ein Ort der Zerstörung!
Doch sie sehen ihn nicht. Tatsächlich ist diese Blindheit genau
dasselbe. Sie errichtet himmelhohe Türme aus Trugschlüssen
und Lügen bis hin zum geflügelten Wort: Das Geld ist
weg. Und allein durch ihr Beharrungsvermögen wird die Blindheit
zum Auge des Bösen. Wirklich total spannend! Was nicht loslassen
kann, wird böse im Lauf der Zeit. Das ist keine Predigt, sondern
ein Vorschlag zur Definition. Wenn man Absichten ins Bewußtsein
heraufholt, bekommt man bessere Möglichkeiten zur freien Wahl.
Wenn man unfähig ist zu dieser Erweiterung des Horizonts, oder
wenn die kognitiven Voraussetzungen fehlen, gerät man unweigerlich
ins Auge des Bösen, in abgrundtiefe Kälte. Das ist meine
Erfahrung, gütiger Himmel. Nach all der Zeit! Und ein einziger
Baum mit exponentiellem Wachstum wird früher oder später
die Erde in der Mitte auseinanderspalten.
Ging jetzt
ziemlich schnell, schon wahr. Vielleicht kommen wir später
darauf zurück. Unter uns gesagt, es gibt verschiedene Entwicklungsgeschwindigkeiten.
Keine Ahnung, warum das so ist. Grundsätzlich dürfte jeder
in der Lage sein, Absichten ins Bewußtsein heraufzuholen.
Sie tun es aber nicht, und fallen zurück Andere tun es nämlich
und kommen voran. Wo Lucie wohl bleibt? Hat sich Lass gemeldet?
Was macht der Bericht? Vielleicht kann ich noch kurz von einer Begegnung
in der Halle erzählen?
Als ich auf
dem Weg zurück in die Lounch war, wurde ich plötzlich
bei meinem Vornamen gerufen. Ich drehte mich um und fand die Laatzen,
Kinder, eine Reisende in Sachen Innenarchitektur und Möbeldesign.
Als Student habe ich bei Neuwirth Einrichtungen gearbeitet,
die meiste Zeit in ihrer Abteilung. Wenn im Kino ein Streifen läuft,
der an der Ostküste spielt, sitzt der Anwalt meistens vor einem
Sideboard, das sie entworfen hat. Oder Woody Allens
Psychiater: Er sitzt davor, und sie steckt dahinter.
Die Sachen
werden im Badischen produziert, und wenn sie Besprechungen im Werk
hatte, wohnte sie oberhalb Bühl in jenem Hotel, das unvergleichlich
leckere Seelen zum Frühsrück serviert, genau wie der Krautwickel.
Einmal war ich dabei, weil ein Transport von Mustermöbeln zu
organisieren war, und wir aßen zusammen von den Seelen. Habt
Ihr das? Es gibt einen Wirklichkeitsbereich, wo Architektur, aber
auch das Gestalten von Alltagsgegenständen überzugehen
scheint in das Gebiet der Kunst, sei es als Kunsthandwerk oder Industriedesign.
Solche Randerscheinungen sind total spannend, überall, wir
kommen darauf zurück. Die Laatzen war der Meinung, daß
es sich genau andersrum verhält. Demnach wäre nicht das
Handwerk in die Kunst hinein gestolpert, sondern die Kunst herausgefallen
aus zweckgebundenen Tätigkeiten in einen Ort, der den spielerischen
Umgang mit Absichten und dadurch Freiheit ermöglicht. Sie war
in allem sehr genau. Die Kleider lagen wie mit der Schlagschnur
ausgerichtet im Schrank. Ihre Skizzen und Entwürfe behandelten
jedes Detail mit liebevoller Besessenheit. Habt Ihr eigentlich
Schiller behandelt? Damals hatte sie die Ästhetische Erziehung
im Reisegepäck. Na gut, ich kann nicht beschwören, daß
sie den Ausdruck Absichten gebrauchte, nach all der Zeit.
Jedenfalls hat es sich meinem Gedächtnis eingeprägt als
Randerscheinung zu meinem eigenen System. Die rückläufige
Bewegung der Gedanken, Ihr versteht. Ohne die Laatzen wäre
ich heute noch unter Bierrockern und würde allerlei Lieder
von verpatzten Liebschaften ins Mikro singen. Mein E-Bass steht
dennoch bereit, Kollegen! Was ich sagen wollte - sie war eine Erscheinung,
Kinder!
Diese Möbel
sind sackteuer. An der Ostküste, in den Villen am Taunus, den
Vorstandsetagen der Metropolen ging sie aus und ein. Für Alfred
Herrhausen, der sie außerordentlich schätzte, hat
sie komplette Filialen gestaltet. In Kassel war ich dabei, und natürlich
in Berlin, wo sie Unter den Linden auch für Ferdinand
Piech etwas gemacht hat. Immer solche Projekte. Ich selbst fühle
mich nie ganz frei, wenn ich in solchen Kreisen zu tun habe, sie
blieb davon völlig unberührt. Das dürfte der Grund
sein, weshalb sie immer eingeladen wird. Ihre naive Ungeniertheit
und unberechnende Offenheit kommt gut an. Sie kann mit Menschen
umgehen fast wie Kinder tun, solange sie Dinge der Außenwelt
noch nicht zu trennen wissen von dem, was sie selbst sind.
Es mag ein Mißverständnis sein. Aber ein wenig von diesem
originären Hausrecht, das die Kinder ausüben, hat die
Laatzen hinübergerettet mit ganz unnachahmlichen Folgen für
das Verhalten. Ist doch klar, daß man geliebt wird, wenn an
das Schönste der Kindheit angeknüpft werden kann, und
sei es eine Verwechslung. All diese Dinge fielen mir ein, während
wir in der lärmenden Halle knutschten.
Als Herrhausen
ermordet wurde, ging ein Teil dieser Naivität verloren. Sie
hatte noch am Vortag mit ihm gesprochen. Ich weiß auch, daß
sie an einer Plastik arbeitet, die ihn als deutschen Helden dastellt
und vor der Alten Oper aufgestellt werden soll. Wie könnte
die Welt heute aussehen, wenn seine Vision von der Entwicklung des
europäischen Ostens Wirklichkeit geworden wäre! Trotz
der Naivität hielt sie nicht eben viel von Märchen. Mit
zahllosen anderen, die sich damit befaßten, ist sie der festen
Überzeugung, daß der Mord auf Geheimdienste zurückgeht,
und daß eine Spur in die amerikanische Botschaft führt.
Der Prahlhans, der dort Chef war, hat Äußerungen getan,
die diese Ansicht stützen. Aber stellt Euch einmal vor, was
das bedeutet! Als ausgewiesene Kriminalisten müßt Ihr
vor den Konsequenzen einer solchen Annahme erschauern.
Wieviele Wissende im Kriminalamt und in dutzenden anderen Behörden
müßten bis heute dichthalten? Die
gesellschaftlichen Abgründe, die sich da auftun, machen einen
schwindeln. Der Fall hat ein Gschmäckle.
Wenn es KEIN
Zufall war, daß man ihn verbluten ließ - er war nur
am Oberschenkel verletzt - wer könnte ein absichtliches Unterlassen
jeglicher Hilfe organisiert und später vertuscht haben? Ich
führe diesen Gesichtspunkt an, weil er in Euer Fach fällt
und Behörden betrifft, die, wenn jemals, nur von Euch gerechtfertigt
werden könnten, meine Helden.
Die Amerikaner haben kein Problem damit. Macht Euch da nichts vor.
Selbst der Supreme Court hat kein Problem damit. Wenn es
sich um Ausländer im Ausland handelt und wirtschaftliche
Interessen auf dem Spiel stehen, so dieses Oberste Gericht, ist
alles erlaubt. Und daß Herrhausen dabei war, die amerikanische
Bankenszene aufzumischen, läßt sich kaum bestreiten.
Was ich dennoch schwer glauben kann, ist die Verstrickung ganzer
Scharen deutscher Amtsträger, die notwendig wäre, um dieses
Verbrechen bis heute zu decken. Aber die Fakten sind erdrückend.
Sie füllen ein Buch von 450 Seiten, das Ihr in der Deutschstunde
noch behandeln werdet. Habe irgendwo gehört, daß es zur
Pflichtlektüre heranwachsender Staatsbürger gehört.
Ich schätze, selbst Ihr könnt nicht ermitteln, solange
Deutschland eine Kolonie jenes mächtigen Landes darstellt.
Deutschland ist die letzte Kolonie. Das Recht auf Selbstbestimmung
bleibt verwehrt, yippieh!
Gegen eine
Plastik können sie natürlich gar nichts machen. Und der
Spruch von diesem Prahlhans gehört dazu. Ehre, wem Ehre
gebürt, lautet das geflügelte Wort. Der war, nach
eigenen Worten, für die Wundversorgung des Patienten gar nicht
zuständig, sondern für die letzte Ölung kurz vor
dem Tod. Dafür sei er eingeflogen worden. Demnach hätte
ein Auftragskiller die amerikanische Botschaft in Bonn geleitet!
Seht selbst, ob das plausibel ist, so oder so müssen wir uns
davon distanzieren. Man könnte eine Emser Depeche daraus
machen, einen Kriegsgrund. Offiziell waren versprengte Überbleibsel
der Roten Armee Fraktion am Werk, ganz gefährliche Burschen
also, Terroristen, die bis heute nicht gefangen wurden. Vielleicht
sitzen sie beim Osama in der Höhle.
Ich mußte
lachen. Die Assoziation Mundhöhle war unvermeidich,
nachdem wir in der Abflughalle knutschten. Die Laatzen hat mich
immer zärtlich hochgenommen mit dem Vorschlag, meine Zunge
maßstabsgerecht in Gips zu modellieren. Ich fragte nach der
Plastik.
"Wir mußten
einen Verein gründen, der das Ding über die Bühne
bringt. Du glaubst gar nicht, wieviele Verwaltungsvorschriften in
Frankfurt existieren für einen Fall, den es ja noch nie gab.
Der gesamte Behördenapparat, mit Ausnahme vielleicht des Standesamts
und nachgeordneter Einrichtungen, ist damit befaßt. Wir gewinnen
aber, Neuwirth hat den Vorsitz übernommen. Gibt es Erkenntnisse
im Virengeschäft?"
Sie weiß
natürlich, womit meine Kanzlei normalerweise befaßt ist.
Gänzlich unbefangen trägt sie wichtige Informationen auf
Vorstandsetagen und Parties. Mit ihrer betörenden Naivität
erreicht sie viel mehr als ich mit berechnenden Ausfällen.
"Wir gewinnen," sagte ich. "Meine Jungs haben einen
Durchbruch geschafft. Ich kann es selbst kaum fassen. Sie kennen
den Chef der Anatomie in Mainz, einen Mann, der völlig souverän
handelt. Er vertraut ihnen mehr vielleicht noch, als selbst ich,
und überließ uns Gewebeproben der Volksschauspielerin."
"Ihr glaubt
wohl immernoch, daß ihr besser seid als ausgewiesene Referenzlabore,"
sagte sie mit freundlichem Spott. "Habt ihr inzwischen wenigstens
verstanden, wie man aus bloßem Zellmüll Viren herstellt?
Ich vermute übrigens, daß die Volksschauspielerin ihren
Tod nur inszeniert hat. Es ist ein Teil der Show."
Über die
Lautsprecher wurde ein Flug nach Heathrow aufgerufen, jedoch - wir
knutschten schon wieder, die Augen fest geschlossen. Gegen die Laatzen
bist du machtlos, das habt Ihr ja gemerkt. Sehr aufmerksam! Keine
Chance. Man nimmt sich nicht mehr so wichtig, seinen Job nicht,
seine Passionen, seine Absichten. Alles relativ vor ihrem Humor.
Selbst nimmt sie aber kleinste Andeutungen wahr und gibt sie über
große Distanzen hinweg präzise wieder. Es ist gewöhnungsbedürftig.
Wer sie nicht kennt, ist ständig versucht, sich zu wiederholen.
Dabei hat sie alles verstanden und
in feinen Humor verpackt.
Wenn sie Räume
gestaltet, behandeln ihre Skizzen jedes Detail, und falls ein Direktor,
was gelegentlich vorkommt, das Wandbild beispielsweise anders hängen
will, bringt sie ihn in einen Erklärungsnotstand. Aber nicht,
um recht zu behalten, das könnten diese Herrschaften besser.
Jeder könnte es. Hat aber mit Humor zu tun. Wer die Entwürfe
der Laatzen verstehen will, braucht Humor. Die rückläufige
Bewegung der Gedanken beim Gestalten. Wie bei einem Scherz, den
man versteht oder nicht, gibt es in der Regel nur eine Möglichkeit,
Raumkonzeptionen der Laatzen zu begreifen. Wer Details verändert,
hat nichts begriffen. Möglicherweise fehlen die kognitiven
Voraussetzungen. Ach, Kinder, ich mußte leider begreifen,
daß sie die Augen öffnete.
In den Lautsprechern
der letzte Aufruf von Flug Sowieso nach Heathrow. Sie hakte sich
bei mir unter und zog mich zu irgendeinem Gang, den sie passieren
mußte. Ich nutzte die kurze Zeit, ihr den Stand der Ermittlungen
durchzugeben. "Also, die zuständige Mainzer Anatomie durfte
den Fall nicht untersuchen, weil Karlsruhe das Verfahren sofort
an sich zog. Die Leiche wurde in Mainz abgeholt, und kurz danach
schrieben die Zeitungen über eine neue, menschheitsbedrohende
Viruskrankheit. Sie wußten sofort, was die Viren tun würden.
Und wie zu erwarten, gab es auch gleich dieses Referenzlabor,
eine Sprachregelung, an die wir bereits gewöhnt sind. Sie besagt
nichts anderes, als daß unabhängige Untersuchungen ausgeschlossen
sind. Kein Mensch hatte vorher von diesem Labor gehört, geschweige
denn von irgendwelchen Referenzen. Wozu auch! Die Isolation und
Strukturbestimmung von Viren, falls es darauf ankäme, wirft
ja keinerlei Problem mehr auf, an jeder Ecke kann man das haben."
Sie nahm mich
scheinbar wörtlich und machte Anstalten, am Schalter der Lufthansa,
den wir passierten, eine Virenbestimmung in Auftrag zu geben. Ich
ging darauf ein und ließ mir ein frisches Tuch aus ihrem Handgepäck
geben mit der Bitte, kräftig Nasenschleim zu produzieren. Die
Laatzen hat vermutlich die zweitschönste Nase des Abendlandes,
Kinder, das Talent der spontanen Schleimabsonderung war ihr aber
nicht gegeben. Auch als ich mit meinem eigenen, stupsigen Exemplar
wie als Geburtshilfe exemplarische Schnaubgeräusche vorführte,
blieb ihr Tüchlein trocken. Als sie nun zu lachen anfing und
die Luft also durch den Mund ausstieß, änderte sich bei
mir ebenfalls die Windrichtung, indem ich zuerst an den Haaren hinter
ihrem linken Ohr zu riechen und dann in dieses zu flüstern
begann. Haare riechen ist bis heute eine besondere Art von Zärtlichkeit
in dieser Beziehung, Kinder, und eine Geste zärtlichster Intimität.
Stellt Euch vor, da wäre Haarspray drin - wie bei meiner armen
Mama immer, bis sich zufällig im Gehirn ein Blutgerinsel auftat
- oder eine andere Chemikalie!
"Die Leiche
wurde in panischer Eile abgeholt," flüsterte ich, "und
daß vorher schon Gewebeproben entnommen worden waren, fiel
zunächst nicht auf. Der Chef der Mainzer Anatomie, der sich
über all diese Merkwürdigkeiten nicht wenig wunderte,
merkte aber, daß bald nachdem die Leichenwanne sein Haus verlassen
hatte, das schottische Referenzlabor der Presse bereits Einzelheiten
des Befundes mitteilte. Als meine Jungs bei ihm vorsprachen, hatte
er sich entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen. Er gab uns
die Proben, und wir veranlaßten noch in derselben Nacht eine
unabhängige Untersiuchung. Das Ergebnis war - du hast es erfaßt:
Negativ. Keine Viren vorhanden. Inzwischen hatte man offiziell bereits
acht Leichen positiv getestet! Aber auch die braven Leute in der
Karlsruher Gerichtsmedizin wunderten sich. Zunächst über
die Tatsache, daß sie selbst weder untersuchen noch Proben
sichern durften. Alles mußte nach Schottland. Es konnte ihnen
natürlich nicht verborgen bleiben, daß die Leiche der
Volksschauspielerin vorher schon geöffnet worden war. Damit
mochten sie sich erklären, daß der schottische Ritus
bereits Ergebnisse verlautbaren ließ, bevor ihre Karlsruher
Gewebeproben dort angeliefert waren. Später fanden sie heraus,
daß die Staatsanwaltschaft von der früheren Entnahme
überhaupt nichts wußte. Man hielt es dort aber für
eine gute Idee, diese Proben nachträglich abzurufen und unbesehen
nach Schottland weiterzuleiten. Natürlich wurde der Befund
in Schottland dadurch nur bestätigt. Aber welcher Befund? Zunächst
waren ja keine Proben vorhanden gewesen, sondern nur der Pressetext,
offenbar vorbereitet und durch eine Abstimmungspanne zu früh
lanciert. Dieser Befund wurde zunächst bestätigt
durch die in Karlsruhe entnommenen und nach Schottland geschafften
Proben, mußte ja auch, und dann, laut Presse, noch einmal
durch die in Mainz entnommenen und ebenfalls nach Schottland verladenen
Proben derselben Leiche, obwohl inzwischen Stuttgart zuverlässig
gezeigt hatte, daß keine Viren vorhanden sind. Und nun gelang
es meinen Jungs, an Material und Informationen aus dem hermetisch
abgeriegelten sogenannten Referenzlabor zu kommen. Vor einer Stunde
sind sie gelandet mit beiden Proben, der aus Mainz sowohl wie der
aus Karlsruhe, und zwar im originalverpackten, unberührten
Ausgangszustand. Das ausgewiesene Referenzlabor hat die Sachen nicht
mal ausgepackt. In diesem merkwürdigen Labor scheinen
Tarnkappen nordamerikanischer Povenienz das große Wort zu
führen. Sie geben Verlautbarungen an die Presse, halten sich
mit Laboruntersuchungen aber nicht auf. Tatsächlich handelt
es sich um eine Chemikalienfabrik, die im großen Stil auf
Vorrat produziert. Irgendein Stoff, für den es bislang weder
Zulassung noch Bedarf gibt, wird dort vorgehalten, und es steht
zu befürchten, daß er uns zum gegebenen Zeitpunkt als
Impfstoff gegen die Viren präsentiert wird -"
Sie zog die
Morgenausgabe der Umschau aus dem Handgepäck. "Nimm
und lies, ich habe im Flieger freie Auswahl. Aber küsse mich
noch einmal, bevor du in der brutalen Zeitungswirklichkeit auf-
oder untergehst." Und ich tat, wie mir geheißen, Kinder,
bis sie endlich in diesen Gang verschwand. Statt jedoch in einen
engbeschränkten Wirklichkeitsbereich abzutauchen, überließ
ich mich maßlosen Gefühlen und erhebenden Stimmungen.
Habt Ihr das?
Im April 2007
© Thomas Bokelmann
(wird fortgesetzt)
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