Kam der Hiff aus Vietnam?
Um diese Frage zu beantworten, betrachten wir einen kriegführenden Präsidenten, der später als Schurke erkannt und aus dem Amt entfernt wurde. Vorher gelang es ihm noch, auf der Suche nach Medikamenten richtig viel Geld in den Sand zu setzen.
Es war aber nicht sein eigenes! Denn obwohl nach ihm wieder mehr versickerte, handelte es sich um einen gewaltigen, so noch nie erlebten Erguß:
Der
Krieg gegen den Krebs oder Nixon's Fahrt zum Mond.

 

  1    Als Nixon Kriegsbemalung trug,
        Und Napalm lag auf Kindern,
        Begann er unter starkem Druck,
        Die Truppenkraft zu mindern.

  2    Obwohl sie weiter lang noch brannten
         Und noch Bedarf bestand,
         Sah er besorgt die Umsatzkraft
         Der Petroclans im Land.

  3    Der Stern des Westens sank bereits,
         Man hatte wohl versagt
         Und wurde trotz der Waffenpracht
         Mit Sack und Pack verjagt.

  4    Gesunken zwar, behielt er doch
        Sein goldnes Glänzen bei,
        Belebte neu den Tanz um's Kalb
        Und manche Schurkerei.

  5    Vor Wahlen wagen Schurken viel -
         Das hast du doch gehört?
         Und brüten, wie der Schurkenrat
         Das Volk recht gut betört.

  6    Und hast gehört, daß stets korrekt
         Für Spendengeld man dankt
         Durch Staatsauftrag? Und umgekehrt!
         Der Beistand niemals wankt!

  7     Sponsoren, die auch Napalm gossen -
         Ein ziemlich schlauer Plan -
         Sie sollten dann Arzneien mischen.
         Das hört sich besser an!

  8    Es klang, als hätten Kreide dort
        Gefressen manche Leut
        Verluste, ach, die habe man
        Von Herzen sehr bereut.

  9    Man sprach von einem Großprojekt
        Wie einst die Fahrt zum Mond,
        Als hätte sich für manche Clans
        Der Krieg nicht recht gelohnt.

10   Am Geld liegt's nicht, sprach Nixon fest,
        Ihr sollt den Virus finden,                    1
        Als Forscher unsrer Großnation
        Den
Krebsgang überwinden.

11    Wie Waffen sucht nun Medizin!
        Ihr sollt den Krebs
bekriegen;
        Ein warmer Geldfluß öffnet sich,
        Um lang nicht zu versiegen.

12    Ein Dutzend Jahre floß hinab,
        Es war die schönste Zeit,
        Ein Klima freundlichen Vertrauens,
        Fernab von allem Streit.

13    Man klärte später schneller mehr!
        Doch fiel es nicht so leicht;
        Die Grenze wohl der Fassungskraft
        Sie war zunächst erreicht.

14    Sind hundert Milliarden viel?
        Schon wahr! Und doch, wer weiß?
        Im Raubbau gilt der Saat nicht, gilt
        Dem Plündern ganz der Fleiß!

15    Gefunden wurde zwölfmal nichts!
        Wie feiner weißer Sand
        Zerrann der Präsidententraum
        Von einem großen Land.

16    Die Forscher wirkten doppelt blind,
        Beschattet wie im Wahn
        Sie fanden nichts und merkten nichts
        Und hatten keinen Plan.

17    Zwar möglich, daß man so dereinst
        Den Agent Orange fand;
        Ganz sicher ist, daß man den Krebs
        Bis heut nicht überwand!

18    Am Geld lag's nicht - schon recht soweit,
        Zunal nicht an der Menge;
        Es wehte nur vom Kopfe her
        Gestank - mit einer Strenge!

19    Und überwunden wurde - Nixon!
        Er fand den Ruhestand;
        Die Gelder flossen dennoch weiter
        Bis Neubedarf entstand.

20    Daß solche Größen helfen wolln
        Und wirken, um zu lindern,
        Ich glaub es dem, der Namen nennt
        Von Größern, die's verhindern.

21    Vergiftet eure Brunnen wer,
        So könnt ihr nur verliern;
        Verflucht bloß, wenn behauptet wird
        Die Schuld dran hätten Vir'n.

22    Daß Viren nicht im Spiele sind,
        Es war ein alter Hut,
        Bevor der erste Dollar floß
        Wie nach der großen Flut.

23    Das ganze war ein Scheingefecht!
        Man fluchte Jahr um Jahr,
        Und was man fand nach all der Zeit,
        Es war schon vorher klar.

24    Doch außen auf der Packung, Jungs,
        Firmiert die Wissenschaft.
        Der Virenhuber ist ein Teil
        Der normativen Kraft!

25    Ne Großnation? Oh freilich, ja!
        Ich glaub es wirklich gern
        Und bete, daß nur kurze Zeit
        Versunken bleibt der Stern!

26    Obwohl sie weiter lang noch suchten,
        Und niemand etwas fand,
        Bedrohte Umsatzeinbruch hart
        Die Petroclans im Land.

27    Doch als das Geld ins Stocken kam -
        Labore sollten schließen! -
        Erhob sich ein gemischter Chor:
        Es muß nun wieder fließen!

28    Erbarmen! rief man. Glocken schlugen,
        Es flossen schon mal Tränen,
        Und Dollars flossen gnädig nach
        Aus dicken Steuersträhnen.

29   Denn wie der Cowboy nachts an Feuern
        Den Napf mit Bohnen löhnt,
        So sind Labore dort an Steuern
        Als Zahlungsart gewöhnt.

30    Mit wilden Viren, das behalte,
        Läßt Angst sich trefflich schüren,
        Man muß die Puppen klug nur lenken,
        Geschickt die Fäden führen!

31    Die Puppen machen groß Krakehl,
        Verspritzen starkes Gift,
        Und bringen jedes Opfer dar
        In Wort und Bild und Schrift.

32    Ihr Schurken! Laßt die Puppen tanzen,
         Bewegt das tote Holz,
         Als Hackstotz nehmt, als Sägebock,
         Was träge bleibt und stolz.

33    Das blöde. starre Puppenvolk
        Belebt mit jähem Zorn,
        Mit falschem Licht die trüben Augen,
        Mit schwarzem Sperm den Dorn.

34    Sie sollen bösen Ausbund zeugen
        Und unter Schlägen flehn,
        Daß härt're Prügel fallen mögen -
        Das soll durch mich geschehn!

35    Sie flehn aus allen Medien,
        Mal heftig, mal gemach;
        Ich helfe gern und komme hier
        Auch diesem Bitten nach.

36    Denn fänden die nicht solche Lust,
        Sie wüßten nicht, was tun,
        Man zwingt sie gnädig in den Pferch,
        Damit sie schon mal muh'n.

37    Ihr Schurken! Zeigt den Puppenschliff,
        Oh führt den Kasper vor,
        Und laßt, zusammen mit dem Seppel,
        Eröffnen ihn den Chor.

38    Man habe zwar beim Krebs versagt,
        So hob die Weise an,
        Da Viren nie im Spiele warn -
       
Die Puppen blieben dran!

39    Es war so neu, daß anderntags
       
Die Blätter mächtig rauschten,
        Und Viele an den Flimmerkisten,
        Den Leierkästen lauschten.

40    So neu, als würde eben klar:
        Kein Virus war im Spiel,
        Als still ein Kind in Vietnam
        Im Napalmregen fiel.

41    Wenn Puppen so am Rade drehn
        Dann wird es nachher teuer;
        Auf die Art fangen Kriege an,
        Es ist nicht recht geheuer.

42    Doch wie's gelang, das Ding zu drehn
        Erfordert auch Respekt,
        Denn lange blieb der Deal geheim,
        Die Schurkenhand verdeckt.

43    Man ging ans Werk so klug wie dort,
        Wo Diebe Angeln schmiern,
        Und konnte, wie Tartuff die Bibel,
        Das Menschenleid zitiern.

44    Man habe wirklich Viren jetzt,
        So lautet Strophe zwei,
        Und könne alles retten auch
        So Geld vorhanden sei.

45    Am Geld liegt's nicht, so sang der Chor,
        Den Virus wird man kriegen,
        Weil Forscher unsrer Großnation
        Vorab in Führung liegen.

46    Die Forschung, Jungs, oh Wunder auch,
        War bestens vorsortiert,
        Hat dann die Virenhuberei
        Als Selbstzweck etabliert.

47    Sie auszubauen, ist Programm,
        Der Rest ein Puppenspiel
        Mit Kasper, Seppel, Großmama
        Samt bösem Krokkediel.

48    Mit Kuhjungs sonst, nach Westernbrauch
        Vertraut mit Vieh und Herde.
        Mit Lasso dann auf Virenjagd
        Zur Rettung, ach, der Erde!

49    Der Spott blieb freilich außen vor,
        Du weißt es selbst am besten,
        Die Puppen singen wortgetreu,
        So ist es Brauch im Westen.

50    Von Siechtum gleich und Pestilenz,
        Von Endzeit singen sie,
        Und tönen freudig im Refrain:
        Verlorner warn wir nie!

51    Doch gab es jemals bös'ren Spott,
        Als eben diesen Song?
        Als wäre das Entlaubungswerk
        Die Tat des Vietcong!

52    Wer dreht das große Rad vom Spott?
        Die Virenhuberei!
        Doktoren, Paten, Puppen, Clans
        Der ganze Troß dabei.

53    Die Virenhuberei, sie läßt
        Wie Perlen vor die Säue
        Ins Leere laufen Fragen wie
        Nach Redlichkeikt und Treue.

54    Bei Krebs und AIDS agierte stets
        Dasselbe Lumpenpack,
        Und blies, mal spottend, mal brutal,
        Denselben Dudelsack.      2

55    Hängt davon deine Zukunft ab?
        Oh lasse dich begraben!
        Denn hier wie dort bist Fraß du nur
        Für Maden, Wanzen, Schaben ...

56    Das Läusemelken als Motiv:
        So hält man dich zum zahlen;
        Die Gifte hier, der Schaden dort:
        Profit, mit dem sie prahlen.

57    Du mußt verrückt sein, Michelmann,
        Ein Jota nur zu glauben,
        Bevor von dort je Hilfe kommt,
        Hör'n Räuber auf zu rauben.

58    Es geht um hunderte Milliarden.
        Nicht schlecht, doch ob es reicht?
        Zu Impfen gegen Lugenstoff,
       Scheint vorab nicht so leicht.

59    Denn wieder war in gleicher Zeit
        Verforscht das ganze Geld.
        Gefunden? Sicher: Zwölfmal nichts -
        Ein Trend, der sich erhält.

60    Man habe auch bei AIDS versagt,
        Klang so der fromme Chor?
        Da Viren nicht die Ursa - Nein!
        Das sieht der Deal nicht vor.

61   Die Quelle sprudelt nämlich noch,
       Und Segen steht ins Haus,
       Solang es so ist, wird für fromm
       Geforscht auf Teufel komm raus.

62   Die Herrn des Westens prahlen gern,
       Zumal vor großen Kassen,
       Von Fortschritt und Erfolg und so,
       Und können's gar nicht lassen.

63   Vom großen Durchbruch prahlen sie,
        Mir Worten zwar, schon wahr,
        Auf Sex und Anus scheint beschränkt
       Zumeist das Vokabular.

64   Man redet von der Schwulenpest,
        Erregt die Phantasie
        Der Leser bunter Neppgazetten
        Mit Ansteck-Theorie.

65   Wo Forscher sonst mit Forschern rangen,
        Da ringen jetzt um Geld
        Doktor'n für Nepp und Nötigung,
        Und führ'n den Hiff ins Feld.

66    Denn Viren als Geschäftsmodell,
        Du hast es schon bemerkt,
        Das hat sich gut am Markt bewährt
        Und liegt im Trend verstärkt.

67   Die Ansteck-Story kam dazu,
        Die hat beim Krebs gefehlt,
        Und alles schlüpfrig aufgemacht,
        Von Marketing beseelt.

68   Die Krankheit war beim Krebs zuerst,
        Bei AIDS ja kaum zu sehn!
        Man mußte alles erst entwickeln,
        Um Pillen dann zu drehn
.

69   Man brauchte eine Art von Stempel,
        Zwar anders als beim Vieh,
        Doch so, daß deutlich wird der Anspruch
        Auf Weideglück - yippieh!

70   Denn sieh mal: Anfangs waren's fünf
        Probanden an der Zahl,
        Nun darauf eine Seuche gründen,
        Da wird der Wunsch zur Qual.

71   Man hatte fünf und später zwanzig,
        Im Aktenfach präsent,
        Der Zuwachs laut Statistenkunst
        Ist vierhundert Prozent.

72   Die Puppen tönten Pandemie,
        Und tönten: Schwulenpest;
        Die Protektion gewisser Paten
        Besorgte still den Rest.

73    Der Leiter eines Staatslabors,
        Gerissen und bekannt,
        Wird als Entdeck-Erfinder stets
        Des bösen Hiff genannt.

74    Zu jener Zeit versuchte er,
        Im Fall der Leukämie,
        Den Viren-Nachweis zu vermarkten;
        Bestätigt ward er nie.

75    Man sagt, daß dann, mit hohem Segen,
        Und sicher nicht aus Geiz,
        Derselbe Brei erwiesen hat
        Den Hiff als Fluch bei AIDS!

76    Ob AIDS, ob Leukämie, egal,
        Patente mußten her!
        Der Forscher lebt für die Idee,
        Sonst bleibt sein Beutel leer.

77    Die Zeit war für Ideen reif,
        Sie sind im weiten Bogen
        Gerüchten gleich, wie Seuchenwahn
        Ins Forscherherz gezogen.

78   Doch warum fault es eben da?
       Woher nur der Gestank?
       Seid hörig ihr dem Paten schon,
       Verpflichtet ihm zum Dank?

79   Du bist gelehrt? Oh freilich, klar!
        Am Rückgrat auch verstaucht?
        Du flötest, doch der brüllt: Beweis?
        Und daß er keinen braucht!

80    Sie machen keinen Hehl daraus
        Und tun's am hellen Tag;
        Geschäft, du Flöte. ist Geschäft,
        Und komme auch, was mag.

81    Da mußt du nochmal anders blasen,
        Professor, schau, wie hier,
        Und fürchterlichen Sturm entfachen,
        Und brüllen wie ein Stier.

82    Denn heute ist's ein Institut,
        In dem er halt berät,
        Schon morgen kauft er nebenbei
        Die ganze Fakultät.

83    Den ersten Hansel dreht er rum,
        Den andern droht er derb,
        Gelehrte macht er linientreu
        Durch harten Wettbewerb.  

84    Sie sehen nicht und hören nicht
        Und sagen nicht mehr aus,
        Sie finden gut und nicken ab
        Und spielen graue Maus.

85    Sizili - akademisch wird
        Das Spiel bereits genannt,
        Es hat so manchen braven Kerl
        Ins Lugental verbannt.

86   Oh hätten sie mal hingeschaut!
        So deutlich war es nie;
        Und hätten das mit Mut getan,
        Was Kuhjungs tun beim Vieh.

87    Denn soviel Sorgfalt sollte sein;
        Dort lahmte nicht ein Rind,
        Die Sorge galt auch Eutern nicht,
        Noch Klauen, noch dem Grind.

88    Doch nichts war neu an diesem AIDS,
        Es war ein alter Hut!
        Und jeder, der es untersucht
        Versteht dann meine Wut.

89    Dieselbe Krankheit ganz exakt,
        Sie lag in Akten vor,
        Als Seuchenangast und Untergang
        Der Puppensong beschwor.

90   Oh hätte man doch reingeschaut!
        Die Akten zeigen klar,
        Daß alles ein Folge von -
        Arzneivergiftung war!

91    Und bis ins kleinste Randsymptom
        Beschreiben Wort für Wort
        Befund, Prognose und Verlauf
        Die Akten, hier wie dort!

92    Denn sieh mal, Bruder, wenn dir fault
        Ein inneres Organ,
        Stehst lange du vermutlich zur
        Organverpflanzung an.

93    Und meistens braucht man einen Paten,
        Der hört sich nur mal um;
        Ein Herz muß bei Entnahme schlagen!
        Von Hirntod spricht man drum.

94    Dies nebenbei, obwohl vielleicht
         Der falsche Eindruck bleibt,
        Daß dort die Summe zählt, die man
        Im Scheckbuch unterschreibt.

95    Wie schade: Das Immunsystem
        Verweigert sich dem Deal,
        Das Fremdorgan wird schnell erkannt,
        Und wird zum Abwehrziel.

96    Sofern die Abwehr also steht,
        Versucht man mit Arznei
        Sie auszuschalten nach Bedarf,
        Und ging zu weit dabei.

97    Zwar hat man kein Problem damit,
        Die Abwehr zu verderben;
        Das Fremdorgan bleibt heile dann,
        Doch die Probanden sterben.

98    Denn ohne diese Gegenwehr
        Bleibt menschlich nur Zerfall,
        Als Tier- und Pflanzenwelt des Innern
        Folgt Gartenpracht - und Stall.

  99    Banale Keime wachsen aus,
          Und Pilze sprießen fort;
          Genau dieselben Zeichen wie -
          Bei AIDS, mit einem Wort.

100    Die Keine haben freie Bahn,
           Und Pilze zieren Lungen,
           Der Mensch erliegt dem niedren Treiben
           Wie schon die Alten sungen.          3

101    Was haben wir daraus gelernt?
           Oh sprich, gelehrter Mann!
           Als d i e Symptome wiederkamen,
           Was lag so nahe dann?

102    Da mußte doch die Frage lauten,
           Ob Gleiches gleich entstand!
           Wo nicht, erscheint die Forschung ganz
           Wie Trug und eitel Tand!

103    Was dort, nach Giften im OP,
           Die Ämter immer fanden.
           Es wäre hier, so Logik zählt,
           Durch Gift daheim entstanden!

104     Verdammte Hacke! Hier wie dort
            Dasselbe böse Spiel.
            Die Forscher büßten den Verstand,
            Und Anstand ein im Deal.

105     Daß Napalm aus den Bomben floß,
            Gestatte den Vergleich,
            Es wäre nicht das letzte Wort?
            Und Leugner würden reich!

106     Denn Zellversaqgen, giftbedingt,
            Stand dort im Totenschein;
            Doch giftbedingtes Zellversagen,
            Hier durfte es nicht sein.

107     Doch sieh mal, Bruder, überall
            Wo später AIDS erschien,
            Da platzten vorher Bomben von
            Legaler Medizin!

108      Legales Gift, Arzneien meist,
            Getestet doppelt blind,
            Es kam vertraut, auch auf Rezept,
            So hilfreich, ach, so lind.

109     Es hat ja viele schöne Namen,
            Beworben bunt und grell;
            Falls durch den Körper du entsorgst,
            Geht alles ziemlich schnell.

110     Der Körper wird legal mißbraucht
            Als letzte Lagerstatt,
            Aus der Entlaubungsmittel sickern,
            Und fällt als welkes Blatt.

111     Oh anders, freilich, heißt das Zeug,
            Die Akten halten's fest.
            Natürlich ist es zugelassen,
            Bewährt im Rattentest!

112     Gesättigt davon jene Zwanzig,
            Die aktenkundig sind,
            Und wer es sieht, ist gleich geheilt,
            Und testet nimmer blind.

113     Was die verbrauchten an Arznei,
            Löscht jedes Lichtlein aus;
            Der Virenhuber zählt auf Drei
            Und singt von Seuchengraus.

114     Im Chor der größte Teil der Zunft,
            Oh Seuche, Pandemie,
            Und Staatenlenker im Refrain,
            Wir schwör'n, am Geld liegt's nie.

115      Natürlich lag's genau am Geld,
            Daß niemand etwas fand,
            Wie Wasser floß es stets bergab,
            Versickerte im Sand.

116     Es floß in den Verteiler ab!
            Begreife doch zuletzt:
            Die schönen Gelder sind komplett
            Auf's falsche Pferd gesetzt.

117      Ein lahmes Tier, das beißt und schlägt,
            Mit üblem Schaum vorm Maul,
            Mit Kreizverschlag und Dämpfigkeit -
            Ein bös geschundner Gaul.

118      Am Geld lag's nicht, so sang der Chor,
             Die Puppen blieben dran!
             Den Spülicht eines kranken Stalls
             Verdünnt es stets spontan.

119     Die ganze Forschung für die Rinne!
            Doch urteilt nicht zu scharf:
            Derweil die Seuche doch grassiert,
            Steigt vielfach der Bedarf!

120     Gesetzt, du rüstest Truppen aus -
            Die Zeichen stehn auf Krieg -
            Den Reibach machst du mit Verschleiß,
            Verlierst durch schnellen Sieg.

121     Was gehn dich die Konflikte an!
            Du lieferst hier wie dort,
            Zerstörung jetzt, Entwicklung dann,
            Du stehst zu deinem Wort.

122     Du nimmst die Dinge auseinander
            Und baust sie wieder auf,
            Daneben winkt noch Börsengunst
            Und Beutespaß zuhauf.

123     Du lieferst Tod und Proviant,
            Das Gift, die Medizin,
            Die Pipeline, Waffen, Strahlen, Müll,
            Minister, Dirn und Queen.

124     Und droht Verlust im Kriegsgeschäft,
            Das Recht auf Konversion,
            Von Nixon glänzend demonstriert,
            Ist gute Tradition.

125      Entging durch Frieden dir Gewinn?
            Als Saldo und als Maß
            Die ungebauten Bomben nimm,
            Das Volk, das früh genas.

126     Und wie die Bank den Schuldner straft,
            Der vorab tilgt Kredit,
            So mache Anspruch auf Ersatz
            Und nimm den Vorteil mit.

127     Im Wahlkampf gibst du beiden Teams
            Und hältst die Fahnchen stramm,
            Du kannst die Wahlmaschinen liefern
            Und lieferst das Programm.

128     Und so gerüstet suchst du Viren,
            Es ist ein gleicher Deal!
            Ein Handwerk, das den Krieg bestand,
            Bewährt sich auch zivil.

129     Gesundheit ist ein großer Markt,
            Doch ähnlich wie der Krieg,
            Rentiert die Krankheit ungleich mehr.
            Dem Skrupel nie erlieg!

130     Dein Wort, es gilt in Ost und West,
            Hat hier wie dort Gewicht,
            Du stehst für Krankheit und für Heilung,
            Und kennst sie beide nicht.

131     Den Fortschritt nimmst du in Besitz
            Und gibst die Richtung vor,
            Er glänzt in der Konzernbilanz,
            Geht rückwärts im Labor.

132      Auf falsche Fährte lockt dein Ruf,
            Dem Krebsgang folgt Gewinn;
            Genau wo nichts zu finden ist,
            Macht Suchen immer Sinn.

133     Man wirft dir Gelder hinterher,
            Es ist kein schlechter Witz,
            Wo Andre flehen um Gehör,
            Da schleuderst du den Blitz.

134     Am Hof der Erde bist du Freier,
            Gestank am Tag des Herrn;
            Dein Virus ist Geschäftsmodell,
            Bazillus dein Konzern.

135     Oh käme ein Odysseus heim,
            Die Branche zu entlauben,
            Brutal sie jeder Möglichkeit
            Des Wachsens zu berauben!

136      Als Virenseuche würde er
            Und sei's auch blanker Hohn,
            Bezeichnen seinen Racheakt,
            Als Kranheit deren Lohn.

137     Oh könnten wir mit Sack und Pack
            Auch diesen Trupp verjagen,
            Wo nicht, bevor er marodiert,
            Im Feld vernichtend schlagen!

138     Du meinst, sie marodieren längst?
            Das mag schon sein zum Teil;
            Genauer laß uns dennoch schaun
            Den Teufel im Detail.

139     Die Geister, die man so berief,
            Sind frei so dumm wie groß,
            Sie finden nützlich manchen Schleim
            Und fruchtbar manchen Schoß.

140     Wie diese Art Geschäft als Pest
            Grassiert seit Vietnam,
            Das nehmt aus diesem Vorspiel mit,
            Und nehmt es als Programm.

141     Nur steckt mit Auf-Ruhr keinen an!
            Es ziemt Verbrauchern nicht,
            Denn wer vorab durchschaut das Spiel,
            Verliert noch sein Gesicht.

142     Versöhnlich, meinst du, soll der Ton
            Am Ende trotzdem klingen?
            Das paßt mir gut! Von Märchen doch,
            Vom Irrlicht will ich singen:

143     Der Schädling durfte König sein,
            Es hat ihn nicht gereut.
            Und wenn er nicht gestorben ist,
            So lebt er fort bis heut.
            So lebt er fort bis heut!


© Thomas Bokelmann 2006