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Wenn Du Journalisten triffst, die seit Jahrzehnten nichts anderes
getan haben, als vorgefertigten Text in ihre Spalten zu rücken,
dann ist das Drolligste, was Du erleben kannst, dieser Sturm der
Entrüstung, der sich erhebt, sobald Du auch nur ungefähr
hindeutest auf diese todesähnliche Lethargie.
Haben
wir Pressefreiheit in diesem Land? Ja! Haben wir eine freie Presse?
Beim Henker: Nein! Hier kommt man niemals in Gefahr, etwas zu verbreiten,
das mehr wäre als Sprechblase, Verlautbarung, korrekte Seife
oder gequirlte Scheiße. Wir brauchen überhaupt keine
Pressefreiheit. Sie steht nur auf dem Papier. Wenn jedes freie Wort
verboten würde: Unsere Zeitungen könnten ohne Übergang
ihren gewohnten Sermon weiterkauen. Sie wären, ohne das Programm
zu ändern, korrekt von Anbeginn.
Schon wahr: Es ist ein großes, intensives Wunder.
Daß es einmal im Jahr passiert, würde man noch verstehen,
falls zwei oder drei Blätter beteiligt wären. Daß
aber alle an jedem Erscheinungstag und die ganzen Jahre hindurch
immer dieselbe Masche bringen, ist eine reife Leistung. Überlege
nur, was nötig wäre, wenn man das erzwingen müßte,
Michel!
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