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Eine von Marshalls wunderbaren Geschichten von Wölfen und Giraffen,
die er in den Seminaren erzählt.
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Also, es war mal eine Giraffe, die kaute ruhig frisches
Gras und konnte nichts sagen. Nur zuhören. Da kam der Wolf, und der
hatte soeben Kreide gefressen. Mit dünner Stimme fragte er: "Liebst
du mich?"
Die Giraffe holte tief Luft und schob den Nahrungsbrei, der allmählich
flüssiger wurde, im Maul ganz ruhig hin und her.
"Nun glotz doch nicht," fuhr der Wolf fort. "Ob du mich liebst, will
ich wissen. Liebe - wenn du verstehst, was ich meine."
Die Giraffe hatte zwar eine Idee, was er meinen könnte, kaute aber
immer weiter. Der Wolf verlor trotz der Kreide die Fassung und knurrte
so heftig, daß sie vor Schreck ausprustete und den gut eingespeichelten
Brei auf dem Fell des Wolfes verbreitete.
"Wann," fragte sie.
"Wann?" wiederholte er. "Ob du mich liebst, verdammte Hacke, das ist
die Frage."
"Wenn ich dich recht verstehe", sagte sie ruhig, "ist für dich die
Liebe ein Gefühl. Man möchte es kuschlig haben, zärtlich sein, sich
anschmiegen..."
"Ja, genau!"
"Darum frage ich wann."
"Na jetzt eben, verdammt nochmal."
"Mit Sicherheit nicht," antwortete die Giraffe, "schaue nur dein
Fell an!"
"Aber wann denn dann? Nachher wohl hoffentlich, in spätestens einer
Viertelstunde!"
"Nun, wer weiß," sagte sie. "Gefühle kommen und gehen, sie ändern
sich von einer Sekunde zur andern. Für uns Giraffen ist die Liebe
allerdings kein Gefühl, sondern ein Bedürfnis. Und daran wird sich
nie etwas ändern." |
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